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«Originärer Content bietet dem User einen Nutzen, den er anderswo nicht findet.»

Interview der Netzwoche zum Artikel «Portale: Werbung allein genügt nicht»

Peter Hogenkamp, CEO der Zeix AG, die Usability-Studien für Websites durchführt, über den Sinn von Portalen.

Herr Hogenkamp, eine provokative Frage zu Beginn: Braucht es überhaupt Portale? Schliesslich bieten sie nichts, das nicht einzeln auch anderswo im Internet zu finden wäre.

Das ist schwierig zu beantworten. Viele User finden das Konzept von Portalen gut. Befragt man sie aber nach ihrem tatsächlichen Verhalten, stellt sich heraus, dass sie vielmehr einzelne Angebote kombinieren. Für SMS gehen sie auf die dafür beste Site, für Free-Mail auf eine andere, für Chat wieder auf eine andere ? darunter auch Portale, aber oft wird nur eine einzige Funktion genutzt. Und selbst wenn es ein Portal gäbe, das alles in der besten Qualität vereinen würde ? nicht wenige User finden Portale wegen der „Unübersichtlichkeit“ prinzipiell unattraktiv.

Also spezialisierte Portale?

Ja, wenn man die noch so nennen kann: Angebote, die nur eine Sache anbieten, diese dafür aber besser und einfacher als alle anderen. Der Erfolg von Google stammt nur zum Teil daher, dass die Suchergebnisse besser sind. Der andere Teil ist die konsequente Vereinfachung der Bedienung und damit verbundene exzellente Usability.

Was halten Sie von der Strategie, durch Content Kunden auf die Portale zu bringen?

Austauschbarer Content interessiert kaum noch jemanden. In Interviews zeigen sich User bezüglich Content sehr markenbewusst, ohne dass ihnen das selbst immer klar ist. Warum sollen sie bei einem Hardwarehersteller News lesen, die sie offensichtlich überall sonst auch bekommen? Originärer, eigener Content dagegen bietet dem User einen Nutzen, den er anderswo nicht findet.

Die Zukunft von Portalen?

Meines Erachtens ist es ein Fehler, Portale heute in Bausch und Bogen zu verdammen. Ich glaube, dass es immer User geben wird, die gern alles an einem Ort finden, daher gibt es grundsätzlich einen Markt für Portale. Ausserdem werden beim mobilen Zugang durch die mühsame Navigation vielleicht die Karten neu gemischt: Technologische Kompetenz und geschickte Bündelung auch von Fremdinhalten könnten mindestens vorübergehend wieder wichtiger werden. Der Beweis, dass sich mit vielen Zugriffen auch viel Geld verdienen lässt, steht allerdings immer noch aus.

Aus: Netzwoche 28/2001

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