Nach oben

Website. Webseite. Homepage. Ist das soo schwer?

Seit fünf Jahren reden wir uns den Mund fusslig, manchmal durch direktes Verbessern, manchmal (bei Kunden) nur durch penetrantes Richtig-Vorsagen, aber es nützt irgendwie nichts. Die Begriffe werden immer noch wüst durcheinander gewirbelt.

Ist ja auch echt gemein, dass „Site“ und „Seite“ so ähnlich klingen, aber so ist das halt manchmal mit Fremdsprachen. Mannequin heisst auch nicht Männeken, obwohl es sogar davon kommt, und die meisten Leute wissen es einfach. OK, zugegeben, industry heisst auch nicht Industrie, sondern Branche, und die meisten wissen es einfach nicht und schreiben immer „die Film-Industrie“. Aber das ist ein anderes Thema.

Bei Wikipedia steht es wunderbar. Die leiten einen sogar von der Eingabe „Website“ zu „Webpräsenz“ weiter, damit sie ein deutsches Wort nehmen können. Von mir aus gern. (Wobei „Präsenz“ auch nicht so richtig urdeutsch ist, bin nicht sicher, wie viele von 100 Deutschen erklären können, was das ist. Die Schweizer wissen es natürlich, weil sie ja die tolle Organisation Präsenz Schweiz haben. Aber zurück zu Wikipedias Website/Webpräsenz-Definition. Links gelöscht wegen der Lesbarkeit.)

Mit Webpräsenz (auch Webangebot, Webauftritt oder Website, englisch site – Ort, Standort, Platz, Stelle – nicht etwa Seite) wird ein ganzes Projekt im World Wide Web bezeichnet. (…)

So ist http://de.wikipedia.org als Gesamtes eine Webpräsenz, (…), während das, was jeweils im Browser angezeigt wird, eine einzelne Webseite ist. Die Startseite einer Webpräsenz (…) wird auch mit dem aus dem englischen abgeleiteten Ausdruck Homepage bezeichnet. Homepage ist also kein Synonym zu Webpräsenz, wie es oft falsch angewandt wird, sondern eben nur das Tor zu einer bestimmten Webpräsenz.

Ich find’s ja nicht mal so schlimm, wenn das Laien machen. Die einfach mal gelernt haben, dass Internetangebote „Homepages“ heissen, und jetzt kriegen sie es halt nicht wieder weg.

Aber Fachleute. Internetverantwortliche von Firmen. Oder Journalisten. Können die nicht alle das da oben mal ausdrucken und sich in die Wand hängen. Oder es sich in die Hand schreiben „Site=eine, Seiten=viele“? Letztens hatte ich eine Testperson um zehn Uhr, die hatte sich „10.00“ auf den Handrücken geschrieben. Das ist Engagement!

Aber die Journalisten haben keinen Ehrgeiz, es richtig zu machen. Wenn AOL zum Beispiel Weblogs, Inc. kauft (ist schon eine Woche her), dann schreibt Spiegel Online unter dem Titel AOL kauft ein:

85 Seiten mit Web-Tagebüchern, die Themen von Reisen über Elektronik bis hin zu Familienproblemen behandeln, wird AOL dem Bericht zufolge übernehmen. Zu dem Angebot gehört etwa der auf Unterhaltungselektronik und verwandte Themen spezialisierte Blog Engadget.

85 Seiten für 25 Millionen Dollar. Nicht schlecht. Also 3.4 Millionen Dollar für eine Seite. Das sind van-Gogh-Dimensionen.

nutzbar.ch hat 78 Postings oder so. Ich glaub, ich mach noch sieben, und dann geh ich auch mal bei AOL anklopfen.

Kommentare

2
Kommentar schreiben

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bernardo

28.07.2006 - 13:03

Herzlichen Dank! Werde die URL gleich bookmarken 🙂

Bernardo

28.07.2006 - 13:06

Die Basler lesen offenbar keine Blogs 🙂