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Jakob Nielsen: Weblog Usability: The Top Ten Design Mistakes

Nielsen schreibt in seiner heutigen Alertbox über Weblogs: Weblog Usability: The Top Ten Design Mistakes.

Nicht uninteressant. Eben diese Alertbox, die er seit 1995 (!) veröffentlicht, ist ja sowas wie einer der ersten Blogs, denn sie erfüllt viele Kriterien, nicht technisch natürlich, weil es das damals noch gar nicht gab, aber inhaltlich. Der persönliche Tonfall, überhaupt das starke Einbringen seiner Person, die regelmässige Frequenz, die Domain nur für die Kolumne — er hatte erst seine Kolumne und dann seine Firma und so weiter.

Mit dieser wirklich beneidenswerten Konstanz hat er es geschafft, 250’000 Subscriber für die E-Mail-Benachrichtigung aufzubauen (hab ich mal gelesen, finde gerade kein Online-Zitat) und letztlich allein damit zum weltweiten Usability-Guru zu werden. Ich hab keine Ahnung, wie viel Leser die nächstplatzierten wie Jared Spool haben, aber ich schätze, maximal ein Fünftel von ihm. Also so weit: Hut ab.

Blogs hat er bisher weitgehend ignoriert, na ja, immerhin hat er es veröffentlicht, als ihm das angekreidet wurde, Ich finde es aber interessant, dass er, mehr oder weniger stillschweigend, von seinem über Jahre durchgehaltenen Zweiwochenrhythmus zu einem wöchentlichen Rhythmus übergegangen ist — zumindest seit dem 29. August hat er jede Woche etwas neues geposted. Vielleicht ist ihm der schnelle Rhythmus der Blogger, die in der Regel jeden Tag aktiv sind, doch etwas unheimlich. Dafür, dass das kein Zufall ist, spricht, dass er auch am 29. August zu einer neuen Naming Convention übergegangen ist: Statt des Datums der Veröffentlichung gibt er seinen Kolumnen jetzt einen richtigen Titel (heute eben „weblogs.html“). Der Grund kann nur
sein, dass er mehr Traffic von Google will. Ich will nicht behaupten, dass er den Atem der Blogger im Nacken spürt, aber für jemanden, der so erzkonservativ ist wie Nielsen (was ja bisher vor allem positive Auswirkungen hatte), sind das zwei recht grosse Änderungen.

Zum Inhalt der heutigen Alertbox.

1. No Author Biographies OK, sehe ich ein. Ich will auch eine machen.

Wobei es sicher kein Killer ist. Andreas hatte, bevor er seine neue agoeldi-Website gemacht und verlinkt hat, monatelang bei „About me“ nur „Hallo?“ stehen, und es hat ihn auch nicht viel geschadet.

2. No Author Photo Robert Stark: Note sehr gut für Foto permanent mitten im Blickfeld. Ich finde es eigentlich durchaus angenehm, das Gesicht des Autors zu sehen, wenn ich was lese. Ich finde es allerdings nicht angenehm, den ganzen Tag mein Gesicht zu sehen. Also wird auch mein neues Design auf der Hauptseite fotofrei bleiben.

3. Nondescript Posting Titles Das sage ich ja schon immer. (Wobei ich immer auch Nielsen zitiere.) Zuletzt am Beispiel Newsletter. Aber alle guten Blogger machen das auch richtig. Und die anderen Beispiele sieht man jeden Tag bei blog.ch. „No comment“ ist im Moment gerade ein gutes Beispiel, direkt darunter „Remember?“ Nein, ich erinnere mich gerade nicht.

4. Links Don’t Say Where They Go Auch 1×1 des guten html, hat mit Bloggen nichts zu tun. „Bitte hier klicken.“ ist sowieso lange vorbei. Nielsen hat natürlich noch einen punchy way, es zu verpacken: „Unless you’re writing only for your friends, don’t alienate new visitors by appearing to be part of a closed clique. The Web is not high school.“ Manche Schweizer Blogger benehmen sich durchaus etwas cliquenhaft.

5. Classic Hits are Buried Das stimmt, und es stimmt auch wieder nicht. Habe schon in Blogs Diskussionen darüber gelesen. Die einen wollen auch altes Zeug lesen, und zwar nur das gute, die anderen sagen, es ist halt ein Tagebuch, da sieht man immer nur, was aktuell läuft. Beides hat seine Berechtigung. Bei den Links der Kategorien nicht einfach einen Filter zu machen, sondern zum persönlichen „Best of“ aus jeder Kategorie zu linken, ist keine dumme Idee. Vielleicht werden die Blogsoftwaren auch noch etwas intelligenter, wenn es darum geht, goldene Postings vergangener Tage weiterhin prominent anzuzeigen.

7. Irregular Publishing Frequency Versteht sich zum Teil von selbst. Wer wochenlang nichts schreibt, ist selbst schuld. Und wer Zeug ohne Inhalt schreibt, erst recht.

Wobei ich umgekehrt das Gefühl habe, ein paar Monate würden einem die Leute verzeihen. Wenn etwa Markus Breuer morgen wieder auftauchen würde, und der hatte schon sieben Monate Auszeit, würden die alten Kämpen ihn auch wieder lesen. Aber er hätte natürlich alle verpasst, die in den letzten sechs Monaten dazu gekommen sind.

Und „pick a publication schedule and stick to it“, na ja, ich hab keinen. Ich versuche, pro Tag nicht zu viel zu schreiben. 🙂

8. Mixing Topics Sicher richtig und eigentlich auch klar. Aber das Problem kenne ich gut und sehe mich als permanent gefährdet. Ich denke, dass man leicht in Versuchung geführt wird, wenn man mal einen loyalen Leserkreis hat, dem dann auch mal ein paar schöne Fotos zu zeigen, die man gestern gemacht hat. Oder so. Ich wollte zum Beispiel rund um die deutsche Bundestagswahl, die ja jetzt de facto schon seit einem Monat läuft, x-mal was posten, aber ich würde natürlich keinen deutschen Politikblog aufmachen wollen. Bis auf einmal habe ich mich überwinden können, es nicht zu machen, und ich hoffe, ich bleibe einigemassen stark.

9. Forgetting That You Write for Your Future Boss Ja, ja. Tussi. Wenn mein future boss bei Firma X oder Y arbeitet und es nicht haben kann, dass ich in 2005 mal deren Website kritisiert habe, dann ist er eh kein guter Boss und die Firma auch blöd.

10. Having a Domain Name Owned by a Weblog Service Weiss nicht. Kenne diverse sehr gute Blogs, die gehosted laufen. Kann sein, dass sich das so entwickelt; heute ist es noch nicht so.

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