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Live Fact checking bei Spiegel Online??

Das ist jetzt wirklich interessant. Vor ein paar Minuten hatte ich meinen Post Aufgeblasener Spion in der Mailbox abgeschickt zum Artikel Spion in der Mailbox bei Spiegel Online. Dort geht es darum, dass eine Sicherheitslücke gibt, die zwar absolut intolerabel ist, aber aus meiner Sicht keinen Artikel mit einem unterschwelligen Watergate-Tonfall rechtfertigt.

Wie gesagt, der Artikel erscheint Montag im gedruckten Spiegel und heute (Samstag) vorab online. Machen die immer so, natürlich nicht mit allen Artikeln, aber so haben sie auch am Wochenende ein bisschen frischen Content. Ab Sonntag 0 Uhr hat man (Abo vorausgesetzt) Zugriff auf das ganze Heft als ePaper. Ich kenne den genauen Zeitplan nicht, nehme aber an, jetzt ist gerade noch die Schlussredaktion in den letzten Zügen, und die Druckmaschinen laufen ab irgendwann heute Nacht. Was ich damit sagen will: Am Samstag Nachmittag könnte man vielleicht auch noch letzte redaktionelle Änderungen machen.

Ich hatte den Artikel etwa um 14.30 Uhr gesehen und dann darüber gepostet. Um 16 Uhr, nachdem ich mein Ding geschrieben hatte, habe ich ihn noch mal überflogen, weil ich die Paris Hilton Geschichte noch bei engadget nachgelesen hatte, und — der entsprechende Absatz im Artikel ist weg!

Zum Glück habe ich noch das alte Fenster offen, und tatsächlich, ich habe nicht halluziniert (dagegen hätte auch gesprochen, dass das Paris-Hilton-Bild jetzt irgendwie etwas wenig Bezug zum Text hat), da ist er noch. Nebeneinander sieht das so aus — links alt, rechts neu:

(nebeneinander gross – nur alt ganzes Fenster – nur neu ganzes Fenster)

Der Absatz nochmal als Text:

Um 14.30 Uhr:

Ganz unbekannt war die Bedrohung zumindest bei der Telekom nicht. Schon im Februar war das ehemalige Staatsunternehmen von T-Mobile-Kunden in den USA auf das Problem aufmerksam gemacht worden. In einem ähnlich gelagerten Fall hatten Hacker sogar das private Telefonverzeichnis der Skandalnudel Paris Hilton ausspioniert und die Daten ihrer prominenten Freunde ins Internet gestellt.

Um 16 Uhr:

Ganz unbekannt war die Bedrohung zumindest bei der Telekom nicht. Schon im Februar war das ehemalige Staatsunternehmen von T-Mobile-Kunden in den USA auf das Problem aufmerksam gemacht worden.

Was soll man davon halten? Der Spiegel ist ja berühmt für sein Fact Checking, sie waren in Deutschland die ersten und lange auch die einzigen, die das seriös machen, hat Gabriele Fischer mal bei einem Workshop erzählt. Aber gehen die erst drüber, nachdem die Online-Version des Artikels schon live gegangen ist? Würde mal wieder dafür sprechen, dass man Print immer noch deutlich wichtiger nimmt, denn online kann man es ja zur Not noch schnell ändern, wie gesehen.

Oder Frank Patalong hat sich bei Technorati einen Alert für seinen Namen gesetzt und noch schnell interveniert.

Womöglich — per SMS.

Kommentare

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Dario K.

03.12.2005 - 19:23

… der SPIEGEL soll berühmt sein für Fakten? Da lachen ja die Hühner –; dito übrigens über jene, die für eine 1:1-Onlineversion einer Offline-Publikation bezahlen, na ja, bei den paar 100 Abonnenten kann man sich immerhin ein bisschen elitär fühlen… 😉

Peter Hogenkamp

03.12.2005 - 23:08

der SPIEGEL soll berühmt sein für Fakten? Ja, genauso ist es. Es geht um die Spiegel Dokumentation. Und von der um diese Tätigkeit: Neben Recherchen ist das „Fact checking“ Hauptaufgabe der Dokumentationsjournalisten. Dabei prüfen sie die redaktionellen Beiträge auf Plausibilität, verifizieren Fakten, Daten, Namen, Bilder und Grafiken. Nur ein solchermaßen überprüfter und gegebenenfalls korrigierter Beitrag erscheint im SPIEGEL. Dabei geht es darum, dass nicht der Staatspräsident von Peru mit dem von Chile verwechselt wird; egal wie gut der Journalist sich auskennt, sowas wird für jeden Artikel noch mal nachgeschlagen. Die haben immerhin 100 Leute! Dass man so eine Abteilung hat, ist angelsächsische Tradition, die hat sich Augstein von seinem Vorbild Time Magazin abgeguckt, habe ich mal gelesen. Worauf Du anspielst, ist vermutlich die Tatsache, dass im Spiegel auch oft unbelegte Behauptungen als Tatsachen abgedruckt werden, dann wohl meist basierend auf Informationen, die ihm zugespielt wurden. Das ist halt investigativer Journalismus oder was davon noch übrig geblieben ist. Wenn da was Falsches behauptet wird, kann auf jeden Fall die Dokumentation nichts dafür. 🙂 Wikipedia hat natürlich einen Artikel Der Spiegel, mich wundert, dass bei dem nicht steht „Die Neutralität dieses Artikels ist umstritten“, dafür bei Reinhard Mey, wie ich neulich sah. Die Leute streiten sich halt lieber um unwichtige Sachen.