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Teamgeist, was soviel heisst wie Teamspirit

Der neue WM-Ball wurde gestern bei der Auslosung ja unverhohlen gehyped.

Dass er „Teamgeist“ heisst, ein deutsches Wort, das angeblich auch die Englischsprachigen verstehen, wegen „Zeitgeist“ und „Poltergeist“ (ich werde mal einen Test machen — auch wenn Zeitgeist in den einschlägigen Listen von deutschen Wörtern im Englischen immer drin ist, ich würde nicht drauf wetten, dass es alle verstehen, vielleicht nur die Leser vom New York Magazine), finde ich eine ganz nette Idee. BILDBlog macht sich noch darüber lustig, dass die „BILD“ es irgendwie mit den Farben nicht auf die Reihe kriegt. Nein, schwarz-rot-gold sieht er wirklich nicht aus.

Lustig ist auch der offizielle FIFA-Nachrichten-Text über den offiziellen Ball, der auf der offiziellen WM-Site fifaworldcup.yahoo.com steht. Die Site ist durchgängig siebensprachig.

Auf Englisch liest sich die Nachricht so:

adidas unveils Official Ball

(…)

The name focuses on football as a pure sporting activity. The German word Teamgeist – team spirit in English – homes in on the single indispensable attribute a side must possess if they are to stand any chance of hoisting the golden trophy.

Auf Französisch:

adidas+TeamgeistTM – Le ballon officiel de la Coupe du Monde de la FIFA 2006

(…)

Le nom évoque les valeurs incarnées par le football. Ainsi, le mot allemand Teamgeist, en français „esprit d’équipe“, symbolise parfaitement tous les aspects de ce sport. L’esprit d’équipe est une qualité indispensable à une formation qui souhaite soulever le trophée à la fin de la compétition!

Aber am besten gefällt mir Deutsch:

adidas+Teamgeist™ – der offizielle Ball der FIFA WM 2006™

(…)

Beim Namen stand ganz der Fussballsport im Mittelpunkt. So beinhaltet das deutsche Wort Teamgeist – was übersetzt „Teamspirit“ bedeutet, alle Aspekte des Fussballspiels. Teamgeist ist die wohl wichtigste Eigenschaft, die jede Mannschaft besitzen muss, um am Ende den goldenen Pokal den eigenen Fans präsentieren zu können!

Was lernen wir?

1. Der Webmaster für den englischen Text ist entweder ein Nonkonformist oder von Nike geschmiert; jedenfalls lässt er die lange zweite Hälfte der Überschrift und die ganzen „Trademarks“ einfach weg. Vielleicht nur, weil er kurze Überschriften mag, was sehr zu unterstützen wäre.

2. Der für den französischen Teil zuständige Webmaster ist nicht in der Lage, ein „TM“ korrekt als das Zeichen ™ (ANSI-Code 153) darzustellen, dabei könnte er es einfach von den anderen Sprachen rüberkopieren, wenn er in Windows die Tastenkombination nicht findet. Nicht schlimm, aber doch etwas schlapp.

3. „Das deutsche Wort Teamgeist heisst übersetzt Teamspirit.“

So so. Vermutlich war die Mastersprache aller Dokumente Englisch, und dann ist es beim Übersetzen ins Deutsche stehen geblieben; dort hätte der Übersetzer einfach nur den Einschub weglassen müssen. Ich sehe immer wieder Beispiele, wo Übersetzer nicht in der Lage sind, den Inhalt des übersetzten Textes zu berücksichtigen – was ich nicht begreife, denn sie sollten ja verstehen, was sie da übersetzen, im Gegensatz zu Babelfish. Strengt Euch an, Leute, sonst braucht man Euch irgendwann nicht mehr.

4. Das schlimmste: Die Sprachumschaltung funktioniert nicht je Seite. Wer die Meldung auf Deutsch liest und auf Englisch umschalten will, beginnt wieder auf der Homepage und muss sich neu durchhangeln. Ich vermute aufgrund einschlägiger Erfahrung folgendes: Die FIFA/Yahoo-Leute haben das mal in einer Sitzung diskutiert, und weil ein gewisser Prozentsatz der Seiten nicht in allen Sprachen zur Verfügung steht (bei kurzem Absurfen sah es allerdings so aus, als seien die x Nachrichten von gestern in allen Sprachversionen vorhanden), haben sie gesagt: „Eh wir irgendwo Probleme kriegen, weil es mal eine Seite in Koreanisch nicht geben könnte, verlinken wir lieber konsequent die Homepage.“ Typisch Informatiker. Überlegen sich alle Eventualitäten, einigen sich dann schnell mal auf den kleinsten gemeinsamen Nenner und klopfen sich noch auf die Schulter für ihre kleingeistige Voraussicht.

Richtig wäre gewesen, das CMS so zu bauen, dass die Sprachversionen jeweils „nebeneinander“ liegen und der User hin- und herschalten kann, ausser wenn es die parallele Version in einer anderen Sprache nicht gibt, dann kommt man eben auf die Homepage.

Oder noch besser wäre wohl eine Meldung „Sorry, die aktuelle Seite ist auf Deutsch nicht vorhanden, was möchten Sie nun tun? 1. zurück, 2. zur deutschen Startseite, 3. in deutschen Seiten suchen (Suchfeld/Button).“ Oder so ähnlich.

Wie immer bei der Sprachumschaltung, man weiss nicht ganz sicher, was die optimale Variante ist, aber man sieht fast immer solche, die es sicher nicht sind, so auch hier wieder.

Kommentare

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Patrice

12.12.2005 - 0:03

Zeitgeist wird im Englischen wirklich nicht sehr häufig verstanden. Wenn ich jeweils Google Zeitgeist erkläre muss ich das Wort immer gleich auch noch erklären.