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Killt die Mailto-Links

Seth Godin verweist auf das Ideabook des Schweden Fredrik Härén, ein hübsch gebundenes Buch, das laut PDF-Vorschau immer Texte zum Nachdenken enthält und dann leere Seiten zum Reinmalen? Ob das funktioniert? Keine Ahnung. Ich habe das Gefühl, die Welt teilt sich ein in Leute, die in Bücher schreiben, und solche, die es nicht tun. Ich gehöre zur zweiten Gruppe, vielleicht weil ich immer denke, ich verleihe es mal, und dann will der zweite sicher nicht meine dummen Kommentare lesen — aber ich kenne Leute, die malen Ausrufezeichen an den Rand, knicken Ecken um, um wichtige Seiten zu markieren etc. *shiver*

Ich wäre jedenfalls bereit gewesen, mal wieder auszuprobieren, ob ich mich vielleicht überwinden kann, doch mal was reinzuschreiben, und wollte es bestellen. Wobei ich etwas merkwürdig fand, dass kein Preis auf der Seite steht, dazu muss man erst auf „More info“ gehen, denn weil er es offenbar im Eigenverlag vertreibt, kann er Staffelpreise machen. Na gut. Ich würde einfach nicht 15 für alle Mitarbeiter bestellen, bevor ich es nicht selbst getestet habe, aber vielleicht machen das ja die Teilnehmer seiner Seminare. An die scheint man sich sowieso vor allem zu wenden, denn auf der ersten Seite steht „Sweden’s most popular creativity lecturer“, aber kein Name. Sorry, dass ich den noch nicht kannte.

Auch sonst ist einiges etwas komisch. Erstens führt der Link „More Info“ zur Seite „The Idea Book“, was ein simpler Logik-Fehler ist.

Zweitens enthält die Folgeseite die Links „Download Sample“ und „Order book“ noch mal, allerdings an völlig anderen Stellen, was verwirrend und unnötig ist. Was ein Sample ist, ist sogar noch rudimentär erklärt.

Drittens nervt es mich generell, wenn Text als Grafik dargestellt wird. Was soll das? Ich rede hier noch nicht mal von Accessibility, sondern erstmal nur von Usability. Was ist, wenn ich die Staffelpreisliste kopieren und jemandem mailen will? Dann muss ich sie abtippen. Super medienkonform. Aber wir können ruhig auch von Accessibility reden, denn so sieht die Seite ohne Images aus:

Ideabook-Seite ohne Bilder

Viertens ist die Site völlig nutzloserweise mit Frames gemacht, ohne dass es irgendwas nützt, ausser dass man immer nur die Einstiegsseite als URL sieht, was der Designer wohl für ein Feature hielt, ich aber für einen Bug. Wenn ich auf die Seite mit den Preisen linken will, weil ich sie ja nicht als Text kopieren kann, geht das auch nicht.

Fünftens habe ich dann trotz allem Seufzen und Schulterzucken gedacht, ich bestelle es jetzt doch, und als ich auf „Order book“ klickte, war es ein Mailto-Link. Als Standardfehler identifiziert etwa 1996. Der eine tolle Mail öffnete an „info@interesting.org“ mit dem Subject „Idea Book Order“ und dem folgenden Text:

Dear Customer, thank you for ordering from interesting.org! Please specify Your Full Name, Company, Address, Country, E-mail, and how many books you want. Have a nice day!

An der Stelle wurde mir es dann zu doof. Der Typ nimmt richtiges Geld in die Hand, damit ihm eine Designagentur, die leider denkt, eine Website sei eine Online-Flyer, vier an der Oberfläsche hübsch gelayoutete Seiten macht, und dann schaffen Sie es nicht mal, ein Onlineformular zu machen, was sogar ich könnte (technisches Kriterium für „echt einfach“)? Das ich in zehn Sekunden ausgefüllt und abgeschickt hätte, weil die meisten Inhalte eh via AutoComplete kommen? Und auch wenn nicht, wo ich einfach die Felder ausfüllen kann, ohne nachzudenken.

Nee danke. Das Buch von so einem mentalen Offliner muss ich nicht haben, wenn ich’s mir recht überlege, kann da nichts Gescheites drinstehen.

Fazit: Ich höre manchmal das Argument von Kunden: „Unsere Website ist ja nicht so gross, da ist Usability nicht so wichtig.“ Finde ich nicht. Auf kleinen Websites kann man prima grosse Fehler machen.

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