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Liveblogging Lars Hinrichs, openBC (Xing)

Der Erste fragt, ob es nicht heikel ist, wenn er die 500 Visitenkarten, die er im Büro liegen hat, bei openBC erfasst.

Bei den vielen Änderungen im Programm des mcmforum 2006 mal eine positive: Lars Hinrichs, Gründer von openBC. Laut Miriam Meckel war er zuerst drin, dann wieder draussen und jetzt ist er wieder drin. Prima.

Hinrichs tritt in Pullover und Lederjacke auf. Er entschuldigt sich, er sei eigentlich kein Mitglied der Web-1.0-T-Shirt-Generation, aber er kommt gerade aus den USA und sein Gepäck ist nicht mitgekommen.

Frage an die Teilnehmer: Wer ist registriert auf openBC? Fast alle melden sich. Hinrichs, sympathisch bescheiden, sagt, es seien „jedenfalls mehr als 50%“.

Er präsentiert auch ohne Folien. Waren die etwa auch im Gepäck, oder macht er das immer so? Ich würde ja eiskalt erstmal fünf Minuten Werbung machen für openBC, aber vielleicht hat er das ja nicht mehr nötig.

Grundlage von openBC ist die Theorie Six degrees of separation. Auch bekannt: Metcalfe’s law, dass der Nutzen eines Netzwerks im Quadrat mit der Anzahl der Teilnehmer wächst. Lustig, dass er immer noch das Faxgerät als Beispiel nimmt, das war es vor 15 Jahren auch schon, nur ist heute faxen viel unwichtiger als damals.

Wow: In München sind inzwischen 6.4% der Gesamtbevölkerung bei openBC registriert (laut Wikipedia-Eintrag 1.3 Millionen Einwohner, also 85’000 Mitglieder).

1.5 Millionen Mitglieder, Umsatzerwartung 10 Millionen Euro.

Weiter: Long Tail: 80% der Suchen bei Google sind gleich. Aber wie viel generieren wir noch aus den letzten 20%.

Kündigungsquoten: Bei Dating-Netzwerken liegt die Kündigungsquote bei 15-20%, nach fünf Monaten hat die Kundschaft theoretisch komplett gewechselt. Bei openBC ist die Kündigungsquote gegen 2%.

Ergebnisse der letzten Mitgliederbefragung: 60% der Mitglieder haben schon Geschäftsabschlüsse über openBC getätigt. 40% haben schon mehr als sechs Abschlüsse getätigt. 59% erwarten einen Abschluss in den nächsten zwölf Monaten. (Dann würde ich auch nicht kündigen, bei €4.95 im Monat. Hinrichs weiss den Umtauschkurs in Franken nicht, aber das ganze ist ja sowieso eine fast nur deutsche Veranstaltung.)

4000 Fachcommunities zu Communities. Die in München hat 15’000 Mitglieder. Am Oktoberfest waren 800 Leute beim openBC-Treffen.

Zur Umbenennung openBC in XING: Er behauptet, es war nicht geplant, dass der Name schon vorletzten Freitag „geleaked“ ist. Er hat am Freitag, nachdem Remo Uherek das im Chuchichäschtli-Blog (siehe Ich bin schuld…) geposted hatte, noch fünf Stunden rumtelefoniert, alle Blogger gebeten, die Nachricht wieder zu entfernen, und „naiverweise gehofft, die Lawine Internet aufzuhalten“. Es klappte auch am Freitag, aber „openBC“ war damit plötzlich der meistgesuchte Begriff bei Technorati, weltweit.

Das hiess, dass alle Kommunikationsmassnahmen, die für eine Woche später geplant waren, in 16 Sprachen, eine Woche vorgezogen werden mussten.

Man merkt, dass Hinrichs noch ganz leicht genervt ist, dass „alle Marktkenner meinten, auch Branding-Experten“ zu sein, aber insgesamt scheint er mit der Blogosphäre nicht im Clinch zu sein. Gut so.

Fragen der Teilnehmer

Der Erste fragt, ob es nicht heikel ist, wenn er die 500 Visitenkarten, die er im Büro liegen hat, bei openBC erfasst. (Ouch. Da hätte die Demo am Beamer doch geholfen.)

Der zweite fragt nach irgendwas mit LinkedIn vs. openBC. Hinrichs sagt, The Winner takes it all. (Ist das nicht auch Web 1.0?) Es wird ganz klar so sein, dass der Nutzer nicht zwei Netzwerke pflegen will. (Da gebe ich ihm völlig recht. Bei LinkedIn mache ich gar nichts ausser sehr sporadisch.)

Der dritte fragt etwas sehr Gutes (findet Hinrichs auch): Kann das Netzwerk zu gross werden? Hinrich antwortet mit einem Vergleich zu Googles PageRank, den ich nicht ganz verstehe. openBC sollte demnächst so funktionieren, dass es Gleiches eher mit Gleichem verlinkt wird. Der Geschäftsführer will, wenn er bei openBC sucht, auch eher den Geschäftsführer finden und nicht den Assistenten. Das Feature ist offenbar noch in Entwicklung.

Vierte Frage einer Beraterin – sie sagt, sie kennt Hinrichs über drei Ecken: ihr Arbeitskollege ist mit seinem Bruder befreundet 🙂 – zu Scherzeinträgen und Scherzprofilen. Hinrichs sagt, das sei kein grosses Problem, die Scherzeinträge haben dann auch keine Kontakte, und es gibt sehr viele Polizisten, die sowas melden.

Fazit: Hatte ihn noch nie live gesehen. Er macht doch die ganze Zeit Werbung, aber auf eine sehr angenehme, unaufgeregte Art. Wenn er mit dem sicher bald kommenden Börsengang 200 Millionen macht, gönne ich sie ihm.

Kommentare

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Peter Wolf

04.10.2006 - 14:23

Zur Umbenennung openBC in XING: Von mir aus auch „Plong“ oder „Zappadong“, aber besser als OpenBC, nachdem ich vor Urzeiten selber wochenlang versucht habe, auf „OpenPC“ oder so ähnlich zu kommen, nachdem mir jemand davon erzählt hatte (damals gabs noch kein virales Marketing mit anklickbaren Links in Mails, das war noch handfestes altes Word-of-mouth).