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Das Telefon als Säckelmeister

Maschinenlesbare Zahlungsanweisungen hingegen müssen zeichengenau und in einer rigiden Syntax verfasst werden. SMS bietet dafür denkbar ungünstige Voraussetzungen.

Ich mache gerne Musik – ausser am letzten Sonntag des Monats. Dann ärgere ich mich. Weil mich immer erst die Proberaumtür daran erinnert, dass die kleinen Scheine für meinen Mietanteil noch auf dem Küchentisch bereit liegen. Wer nun «Dauerauftrag» denkt, der unterschätzt Kollege E. und seinen kreativen Beitragsschlüssel, den er als Mitmusiker monatlich neu errechnet. Man müsste nun – so mein Gewissen – gleich im Proberaum den fälligen Betrag aus der Westentasche zaubern können.

Sowas kann man tatsächlich, entnehme ich – gracias! – einem Blogbeitrag meiner Arbeitskollegin Andrea: mit dem Dienst «Handyzahlung Postfinance» der Schweizerischen Post. Klingt gut, ich mache mich schlau. Via SMS kann ich als Postkontoinhaber Beträge bis CHF 100.— auf ein anderes Postkonto überweisen. Und dies minutenschnell. Selbst die Kosten sind transparent: Sie beschränken sich auf die SMS-Gebühr meines Mobilfunkdienstleisters.

Für diese SMS hat der gelbe Riese die Kurzwahlnummer 474 eingerichtet. Die einzelnen Operationen steuert man mit Schlüsselwörtern wie «ZAHLE», denen man die erforderlichen Parameter mitgibt. Neuland für mich, denn bei SMS-Mehrwertdiensten und Klingeltonabos bin ich trendresistent. Die Postfinance-Website zeigt mir dankbarerweise für jede Operation ein Beispiel. Und zunehmend erinnert mich das Prinzip an den nostalgischen BASIC-Rechner, der mich in den 80ern durch die Matheprüfungen schummelte.

Anleitung für Einzahlungen

Die 80er lassen grüssen: Zahlungsanweisung mit Schlüsselwörtern und Parametern.

Vollmacht fürs Handy

Zunächst gilt es aber, das Handy einmalig für den Kontozugriff zu authentisieren. Dabei unterstützt mich eine gut verständliche PDF-Anleitung. Also: Schlüsselwort «START» gefolgt von der ID-Nummer meiner Postfinance Card an 474 senden. Postwendend erhalte ich einen Eingabewert zugestellt, den mein gelbes Kartenlesegerät zusammen mit der Karten-PIN zum Freischaltcode verrechnet. Dieser Code schaltet, auf Nummer 474 gesandt, den Dienst scharf – und ich werde in die Selbstverantwortung entlassen. Diese ist real, denn das Handy besitzt jetzt eine Vollmacht über mein Konto. Wer es in die Hände kriegt, ist Kassenwart, denn weitere Sicherheitsprüfungen gibt es keine.

Zahlen bitte!

Schaffe ich nicht auch meine Songtexte nur per Zettelorgie? Ich hätte es also ahnen müssen: Wenige Tage später versagt im Proberaum mein Erinnerungsvermögen. Muss nun meine SMS «ZAHLEN CHF 60 AN 12-3456-7 Proberaum September, Michael» oder «ZAHLE AN 12-3456-7 CHF 60 Proberaum September, Michael» lauten? Oder etwa «ZAHLUNG 60 CHF AN 12-3456-7 Proberaum September, Michael»? Und: was macht Nummer 474 bei missverständlichen Anweisungen? Ein Scheitern auf Einstiegsniveau. Denn Nutzer mit Luxusgedächtnis können mit den passenden Anweisungen Kontostand und Bezüge abfragen, die Monatslimite ändern, Parkuhren füttern, Gesprächsguthaben aufladen oder im angeschlossenen Shop einkaufen. Eine Fliegermütze etwa oder das Schmiermittel «Petrus». Kollege E. gewährt mir Zahlungsaufschub.

Ein Schlüsselwort als Gedächtnisstütze

SMS sind populär. Das Gros der Handynutzer beherrscht den SMS-Versand im Schlaf und als Plattform reicht ein Uralt-Gerät. Die Crux beim Zahlen liegt im Content: Persönliche SMS tippt man frei von der Leber weg. Maschinenlesbare Zahlungsanweisungen hingegen müssen zeichengenau und in einer rigiden Syntax verfasst werden. SMS bietet dafür denkbar ungünstige Voraussetzungen. Denn zum Nutzungszeitpunkt fehlt die User-Unterstützung: Auf ein leeres Display tippt man erinnerten Freitext. Ohne Schlüsselwortverzeichnis, ohne Strukturierungshilfe durch Masken oder Auswahllisten, ohne direkte Eingabevalidierung und ohne Erklärungen oder Beispiele. Eine Nutzungshürde, besonders für Gelegenheitsanwender.

Bloss: wie könnte man den User zum Nutzungszeitpunkt unterstützen? Zum Beispiel mit der Einführung des gut erinnerbaren Schlüsselworts «Hilfe». Dieses würde eine Serie von Kurznachrichten anfordern. Für jede Operation einen «Musterbrief» mit Platzhaltern, den man sich als Nachrichtenentwurf speichern und später mit den gewünschten Parametern füllen könnte. Für meine Zahlungen habe ich einen solchen nun händisch erstellt. Das Monatsende naht …

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