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Streicht Apple Google von der Landkarte? (Teil 1)

Zum heutigen World Usability Tag befassen wir uns mit der Usability der Welt – bzw. der Benutzerfreundlichkeit ihrer Abbildungen.

Zwei Screenshots von Apple Maps und Google Maps zum Vergleich der beiden Karten

Kartenapplikationen sind für uns ein sehr weites Thema. Zum Einstieg widmen wir uns dem Platzhirsch bei Online-Karten – und seinem Herausforderer. Der Launch von Apple Maps – und damit die Verdrängung von Google Maps auf iOS 6-Geräten – war ja mit einigen Peinlichkeiten verbunden.

Keine Panik, wir möchten die alte Leier um fehlerhafte Daten oder lustige 3D-Ansichten nicht wieder aufleben lassen. Vielmehr interessiert uns die Usability der neuen Karten-App. Ein Vergleich mit der Google Maps-App auf iOS 5.1.1 bietet sich dabei an.

Wir beginnen den Vergleich mit dem einfachsten Verwendungszweck; dem Suchen eines Ortes. Unsere Kriterien sind die Suchfunktion und die Kartendarstellung.

 

Suche

Die Suche nach Adressen oder Ortschaften funktioniert bei Apple Maps sehr gut. Suggests werden schnell geladen und sind verständlich formuliert. Anders sieht es mit der Qualität der Suchtreffer aus. Bei unscharfen Suchbegriffen wie «Mailand Dom» liefert die App eine willkürlich erscheinende Liste an Suchtreffern, wobei der Mailänder Dom nicht darin vorkommt. Hier gerät die User Experience deutlich ins Wanken.

Screenshot von Apple Maps mit Suchtreffern zu «Mailand Dom»
Apple Maps liefert viele Treffer zur Suche nach «Mailand Dom». Der Dom selbst ist nicht dabei.
Screenshot von Google Maps mit dem Suchtreffer zu «Mailand Dom»
Google Maps interpretiert die unscharfe Suche und liefert nur einen Volltreffer.

Fehlerhaft eingetippte Suchbegriffe werden bei Google Maps zuverlässig abgefangen. So fragt die App nach der Eingabe von «Fluhgafen zurich» zuverlässig «Meinten Sie „Flughafen Zürich“?».

Screenshot von Google Maps mit der Frage Meinten Sie Flughafen Zürich?
Google Maps fragt nach bei fehlerhaften Suchbegriffen

Ein Klick auf «Ja» Lotst direkt zum Flughafen. Hat man nicht den Flughafen gemeint und klickt auf «Nein», erscheint eine Liste mit möglichen Treffern.

Trefferansicht «Best Western Hotel Airport».
Google Maps lässt bei fehlerhaften Suchbegriffen den User entscheiden, welcher Suchtreffer in Frage kommen könnte.

Apple Maps löst das weniger elegant. Dieselbe fehlerhaft geschriebene Suche führt ohne Zwischenfrage zur Flughafenstrasse am Flughafen Zürich:

Screenshot von Apple Maps mit einem Suchtreffer bei fehlerhaftem Suchbegriff
Apple Maps liefert bei fehlerhaftem Suchbegriff ohne Zwischenschritt einen mangelhaften Suchtreffer.

Die Wertung: Google Maps entscheidet diese Runde mit der besseren Benutzerführung in der Suche deutlich für sich. 1:0 für Google Maps.

Die User Experience von Suchfunktionen ist elementar bei interaktiven Karten. In Usability Tests konnten wir beobachten, dass die User sich auf ein cleveres Suchkonzept verlassen. Ein typisches Beispiel dazu: Der User gibt einen Suchbegriff ein, vertippt sich aber auf der Touchscreen-Tastatur. Er merkt das zwar, korrigiert seinen Fehler aber nicht (z.B. weil es mit dem Finger zu mühsam ist, den Cursor zur fehlerhaften Stelle zu navigieren). Beim Senden der Suchabfrage verlässt er sich auf eine intelligente Suchfunktion, die seinen Tippfehler korrigieren kann. Kein Wunder; Mobiltelefone und Tablets korrigieren Fehler beim Schreiben von E-Mails oder Textnachrichten automatisch und Suchmaschinen fangen Tippfehler ebenfalls ab (siehe «Ergebnisse für …» bei Google).

Zoom mich wie du willst

Ist das Ziel gefunden, kann ich mit dem Multitouch-Display und entsprechenden «pinch to zoom»-Gesten ja praktisch stufenlos zoomen. Bei Google Maps erhält man da schon mal ein verpixeltes und kaum lesbares Kartenbild:

Screenshot von Google Maps mit einer Karte, bei der die Schrift zu klein dargestellt wird.
Beim Zoomen wird die Rasterkarte nur an vordefinierten Zoomstufen neu geladen. Dabei kann die Schrift unleserlich klein werden.

Apple dagegen kann bei jeder Zoomstufe ein gestochen scharfes Kartenbild liefern. Denn Apple Maps setzt eine Vektorkarte anstelle der Rasterkarte bei Google Maps ein. Ein weiterer Vorteil davon: die Vektordarstellung reduziert das Download-Volumen und macht die Anwendung bei schlechter Verbindung zum mobilen Internet folglich schneller.

Die Wertung: Apple Maps gewinnt durch den Einsatz von Vektorgrafiken deutlich und holt sich den Punkt souverän – Zwischenstan 1:1.

Beschriftung und Landmarken – lesbar auch bei Sonnenschein?

Beim richtigen Kartenausschnitt angekommen, wirkt die Apple Maps-Karte aufgeräumt und ästhetisch. Das liegt u.a. an den abgerundeten Linien der Strassenzüge und den dezenten Farbkontrasten. Zudem definiert die Apple-Karte auf Stadtplan-Niveau die Strassenklassen (Haupt- und Nebenstrassen, Fussgängerzone, etc.) nur über die Breite der Strassen. Google Maps setzt auf eine Farb- und Linientyp-Kodierung zur Unterscheidung von Haupt- und Nebenstrassen.

Aus ästhetischer Sicht kann die Karte von Google Maps zwar nicht mit Apple Maps mithalten. Die Alltagstauglichkeit jedoch ist unserer Meinung nach bei Google Maps besser.

Schliesslich verwendet man Karten auf mobilen Geräten häufig unterwegs in einer fremden Stadt. In meinem Fall z.B. gestresst und orientierungslos unterwegs zu einer Konferenz, ohne zu wissen wo dieses verd*** Konferenzzentrum liegt. Da kommt einem die klare Unterscheidung zwischen Haupt- und Nebenstrassen sehr gelegen.

Zudem bewegt sich Apple Maps nach den Richtlinien von WCAG 2.0 für barrierefreie Web-Inhalte gerade so knapp an der Grenze der Konformität. Hier dürfte Apple z.B. auf dem beige-farbenen Hintergrund der Häuserblocks durchaus etwas kontrastreichere Beschriftungen einsetzen. Google Maps schlägt sich hier deutlich besser. Starke Kontraste sind auf mobilen Geräten nicht nur aus Accessibility-Gründen notwendig. Die Probe aufs Exempel beweist: auf der Strasse bei sonnigem Wetter lässt sich die Karte von Google Maps deutlich besser lesen, als die von Apple Maps.

Gut gelungen ist Apple hingegen die Beschriftung der Strassenzüge. Apple Maps ist hier im Vorteil, weil die Beschriftung der vektoriell vorhandenen Strassenzüge dynamisch vom iPad selbst vorgenommen werden kann. So werden die Strassen sogar während des Zoomens optimal beschriftet. Google Maps kann diese Dynamik nicht bieten.

Die Wertung:

Apple Maps gewinnt bei Ästhetik und Strassenbeschriftung. 2: 1 für Apple Maps.

Kontrastreiche Karten liefert Google Maps und punktet zudem bei der Alltagstauglichkeit aufgrund der besseren Lesbarkeit. Klarer Punkt für Google Maps: Vorläufiges Endergebnis 2:2.

Wie aber sieht es aus, wenn die Karten-Apps von A nach B verhelfen sollen? Dazu mehr in einem späteren Post.