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Konventionen brechen für gute UX? Die vertikale Maestro-Karte im Test

Die neue Maestro-Karte der Credit Suisse kriegt ein vertikales Layout.  Ist das für die Usability gut, schlecht oder egal? Wir testeten die neue Debitkarte im Prototypenstadium.

Oft werden Standards – sind sie einmal als solche gesetzt – nicht mehr hinterfragt: Rot-gelb-grün ist die perfekte Farbabfolge auf Ampeln.  Das Symbol für PLAY ist ein Dreieck, das nach rechts zeigt.  Kredit- und Debitkarten sind im Querformat bedruckt.

CS-Maestro-Card Gerät auf Tisch. Neue Karte wird ans Kontaktfeld gehalten um kontaktlos zu bezahlen.
Die neue CS-Maestro-Card im Test: wie ist die Akzeptanz der Handhabung beim Zahlen und Aufbewahren der Karte?

Die Credit Suisse bringt in Kürze eine Maestro-Karte im Hochformat heraus.  Ein Marketing-Gag? Sicher. Denn zu Marketeers Freud bleibt das Logo der Bank so immer sichtbar, wird die Karte in die üblichen Schweizer Lesegeräte gesteckt. Natürlich funktioniert die Karte auch für kontaktloses Zahlen.

Funktioniert das amerikanische Vorbild für Europa?

Die Idee der vertikalen Karte ist nicht ganz neu – in den USA sind bereits länger Kreditkarten im Hochformat im Einsatz. Der Vorteil dort: an vielen Orten werden die Karten vertikal durch einen Magnetstreifenleser gezogen: die vertikale Karte  ermöglicht es, dass die Kundin sie intuitiv richtig durch den Leseschlitz zieht – zumindest sofern sie Rechtshänderin ist.

Vertikale Maestro-Card im Praxis-Test

Verbessert das vertikale Layout die User Experience auch bei uns?  Um das herauszufinden, führten wir 8 Interviews am Zahlungsterminal durch. Die Hälfte unserer Testpersonen bestand aus Pärchen.  Die Befragten waren zwischen 30 und 50 Jahren alt.

Design ist Design ist Design

Erstes Ergebnis: die meisten Testpersonen nahmen den Unterschied zunächst gar nicht wahr, als sie die Karten erstmals in die Hand nahmen und hielten sie quer.  Jedoch steckten alle  Testpersonen auf Aufforderung die Maestro-Karte mit grosser Selbstverständlichkeit richtig herum ins Zahlgerät.

CS Maestro-Karte im Zahlterminal.
Alle Testpersonen stecken die CS Maestro-Karte intuitiv richtig ins Zahlterminal.

Zeig mir dein Portemonnaie ...

5 unserer 8 Interview-Partner hatten Portemonnaies mit horizontalen Einsteckfächern. Fast alle Testpersonen hatten ein System beim Versorgen ihrer Karten:  Einige ordneten den Chip immer nach rechts, andere steckten die Karten so, dass Unterscheidungsmerkmale herausschauen.  Ein klares Plus im Portemonnaie haben die Postfinance-Karten: der obere Kartenrand zeigt den Typ der Karte an – Hier könnte die CS ihrem Prototyp noch den letzte UX-Schliff geben.

Links: Bezahlkarte. Rechs: Kundenkarte. Alles hübsch geordnet im Portemonnaie.
Ansicht des Portemonnaies einer Testperson mit horizontalen und vertikalen Fächern. Bezahlkarten und Kundenkarten hat sie geclustert.

Kontaktlos zahlen, aber wie

Das Symbol für kontaktloses Zahlen erkannten alle unsere Testpersonen. Für 2 davon war das kontaktlose Zahlen an unserem Testgerät sogar die 1. Wahl.

Immerhin vier  Personen merkten im Lauf des Interviews, dass das kontaktlose Zahlen wohl gehen müsste und hielten die Karte richtig an die vorgesehene Kontaktstelle. Sie hatten aber sehr vage Vorstellungen davon, ob und wie das funktionieren soll: braucht es eine Anmeldung? Kann ich jeden Betrag kontaktlos zahlen? Braucht es zusätzlich meinen PIN?

Fazit: Gute Idee, jetzt noch den Feinschliff

Die Maestro-Karte im Hochformat ist in der Handhabung ein Plus. Von unseren Testpersonen bevorzugten die meisten die neue vertikale Ausrichtung.

In der «Portemonnaie-Ansicht» verträgt die Karte noch etwas Feinschliff  horizontal wie vertikal, damit die Karte ihre Usability-Vorteile ausspielen kann.

Das kontaktlose Zahlen braucht sicher noch «User Education»,  z.B. indem bei Versand der Karte an die Kunden erklärt wird, wie sie funktioniert und warum sie sicher ist.  Denn in der Warteschlange am Automaten oder an der Kasse hat eine neue Bezahlform beim User oft nur eine einzige Chance, richtig zu funktionieren.

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