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User Experience Trends nach 2022 – Videocast

User Experience Trends sind nicht zu verwechseln mit Designtrends! Jenseits von Fonts, Buttons und Color Schemes werfe ich in diesem Videocast einen Blick auf Zeitgeist, Mode und Signale und erkläre, was die User-Erwartungen und -Bedürfnisse in der Zeit nach 2022 beeinflussen dürfte. Für eilige Leser:innen haben wir den Videocast mit dem Transkript zum Scannen ergänzt.

Illustration Objekt mit Textur in 3D
Photo by Shubham Dhage on Unsplash

Was ist dein Valentine Trend?

Unter dieser Frage haben wir im Februar mit dem Zeix-Team über 50 Trends aus Gesellschaft, Technologie und Design diskutiert und mit unseren praktischen Erfahrungen aus der User Forschung verglichen.

Für den Vortrag an der Swiss Online Marketing Konferenz haben wir daraus fürs Publikum hergeleitet, was aus Sicht der User relevant werden dürfte. Vom Scrollytelling über Analytics bis zur Frage «Brauchen wir einen Shop im Metaverse» ordnen wir ein, was Sinn macht und welches Mindset helfen wird, um Kund:innen auch in Zukunft zu begeistern.

Videocast UX Trends: Was User morgen lieben und hassen

Transkript zum Vortrag

SOM Online Konferenz_Sibylle Peuker: User Experience Trends – Was User morgen lieben und hassen – powered by Happy Scribe

Heute geht es um User Experience Trends: Was User morgen lieben und hassen. Demnach wollen wir heute einen Blick in die Zukunft der User Experience wagen.

Und das haben die Leute ja schon immer getan. In die Zukunft gucken. Mal mehr, mal weniger. Hier ein Beispiel, wie man sich im Jahr 1900 das Jahr 2000 vorgestellt hat. Die Videotelefonie ist schon relativ nah an dem dran, was wir haben. Was im Jahr 2000 nicht geklappt hat, war das mit den Coiffeur-Robotern. Das kommt vielleicht noch. Und so hat man schon immer versucht, sich die Zukunft vorzustellen.

Da gab es auch immer schon Trends. Zum Beispiel hier ist eine Frau, die schon im Jahr 1916 auf dem «Trotti» rumfährt. Das wurde damals noch nicht so ganz zum Trend, sondern erst jetzt. Manchmal braucht’s bei Trends nicht nur die Technologie, sondern es dauert lange, bis sie sich durchsetzt, weil zum Beispiel das Geschäftsmodell fehlt. Das haben wir jetzt für diese «Trottis».

Und vielleicht noch ein anderes Beispiel, um zu illustrieren, wie lange das dauert, bis sich so eine Technologie, die vielleicht erst mal trendy aussieht, wirklich zum Trend wird oder massentauglich wird. Das dauert oft sehr lange. Also zum Beispiel der QR Code, der wurde schon im Jahr 1994 erfunden und ich kann mich gut erinnern, ich habe damals – vor 15 Jahren – bei Swisscom Innovations gearbeitet und wir haben uns schon die tollsten Services ausgedacht und hatten immer sehr gute Verwendung für diese QR Codes, haben aber immer diskutiert, dass wir die eigentlich nicht einsetzen können, zum Beispiel auf Plakaten oder so, weil niemand versteht das. Niemand weiss, was dieses komische technische Ding da ist mit diesem schwarz weissen Muster drauf. Wir waren uns nicht sicher, ob sich das jemals durchsetzen würde. Inzwischen haben wir es hier auf Einzahlungsscheinen zum Beispiel.

Und ganz klar, dass es [QR Code] sich wirklich endgültig durchgesetzt hat, war jetzt vor einem Monat beim Super Bowl. Der Super Bowl ist in den USA die Veranstaltung im Fernsehen, welche die teuersten Werbeplätze hat. Die grossen Firmen, die sich das leisten können, leisten sich meistens noch zusätzlich die tollsten Schauspieler und die tollsten Regisseure, die dann super tolle Videos machen. Dieses Jahr hat die Firma Coinbase gezeigt, was wir hier gerade gesehen haben: Ein QR Code, der hin und her läuft. Offensichtlich war das die Anzeige mit der grössten Conversion aller Zeiten. Das heisst es müssen schon sehr sehr viele Leute gewusst haben, was man mit so einem QR Code eigentlich macht. Wenn man draufgeklickt hat, kam man auf Coinbase und sollte ein Wallet eröffnen. Coinbase ist eine Krypto-Firma und man hat dann auch noch ein Startkapital bekommen. Es dauert manchmal eine ganze Weile bis sich sowas durchsetzt.

Wir wissen aber auch meistens gar nicht, ob es sich wirklich durchsetzen wird. Wir können die Zukunft eigentlich nicht vorhersagen. Jetzt gerade merkt man es wieder. Es passieren so viele Dinge, mit denen man einfach gar nicht rechnen konnte. Von daher wollen wir die Zukunft gar nicht vorhersagen, können es auch nicht, sondern wir wollen uns auf die Zukunft vorbereiten. Wir wollen also überlegen, was wir heute tun müssen, damit es uns und natürlich unseren Usern gut geht.

Warum sitze ich jetzt eigentlich hier? Ich bin User Experience Architect und Partner bei der Firma Zeix in Zürich. Wir sind eine Firma für User Centered Design. Ich versuche jetzt schon seit vielen Jahren das Leben mit Technologie einfacher und angenehmer zu machen. Ich bin voll überzeugt, dass dies in vielen Fällen geht. Ich habe aber ganz anders angefangen als Mathematikerin und Informatikerin und habe dann festgestellt: der Mensch ist das eigentlich Spannende im System. Bei Zeix, und auch schon bei Swisscom Innovations, versuchen wir natürlich immer zu überlegen, welchen Trend müssen wir jetzt schon einbauen, damit zum Beispiel die Website zukunftstauglich wird. Unter anderem beobachten wir sehr, sehr viele User. Wir haben viel Interaktion mit echten Usern, um dann Konzepte für Technologie zu machen.

Wir gucken also, wie man das aus der Zukunftsforschung oder auch aus der Marktforschung kennt, nach «Signals», «Trends» und «Drivers». Wir schauen, was da so passiert und überlegen welche Auswirkungen dies auf die User hat. Es gibt natürlich unglaublich viele Trends, Signale und auch teilweise dann schon Zeitgeist, kann man fast sagen. Ich pick mir heute mal drei raus, die gerade recht im Gespräch sind, und diskutiere was das eigentlich für die User bedeutet. Der erste Trend wäre «Planet Centricity», dann Individualität und zum Schluss Augmented und Virtual Reality.

Bei einer neuen Technologie oder einer neuen Wertevorstellung verändern sich oft die Einstellungen, Bedürfnisse und das Verhalten der User. Wir schauen, was da genau passiert.

«Planet Centricity» ist ein Trend, der manchmal als Nachhaltigkeit oder Circular Economy genannt wird. Bei diesem Trend geht es also darum, dass wir bis jetzt immer den Menschen in den Mittelpunkt gestellt haben und es nun an der Zeit wäre den Planeten in den Mittelpunkt zu stellen.

Da gibt es diverse Signale. Eines ist zum Beispiel, dass Apple neuerdings «right to repair» anbietet. Man kann bei Apple jetzt für die neueren Telefonmodelle Ersatzteile kaufen und Anleitungen finden, wie man die Geräte selber reparieren kann.

Mit diesem Trend «Planet Centricity» ändert sich zum Beispiel für die Kunden der Informationsbedarf. Wo kommen die Dinge eigentlich her, die ich kaufe? Wie wurden sie hergestellt? Wie wurden sie transportiert? Hier gibt es eine ganze Menge neue Informationen, welche die Kunden diesbezüglich haben wollen. Da kann man jetzt einerseits sagen: «Jetzt muss ich irgendwie noch mehr machen und das wird ja teuer». Man kann aber natürlich auch überlegen welche neuen Möglichkeiten sich aufgrund der neuen technologischen Lösungen für mein Unternehmen ergeben? Zum Beispiel wenn ich den Leuten zeige, wo die Dinge herkommen, kann ich diese auch besser tracken und Probleme in meiner Lieferkette vielleicht viel eher erkennen. Oder man macht es sich zunutze wie die Swisscom, welche zum Beispiel zurzeit überall grosse Anzeigen schaltet, um für klimaneutrale Abos zu werben. Und das ist natürlich voll ins Geschäftsmodell eingezahlt sozusagen.

Wenn man heute Webseiten anguckt, passiert ja zurzeit immer ganz viel. Beim Betrachten einer solch modernen Webseite, bewegt sich alles. Da gibt es Scrollytelling, Customized Cursors. Alles Mögliche bewegt sich.

Zum Beispiel bei dieser Webseite hier finde ich es total super, wie man sich selber solche Blobs zusammenbasteln kann. Das Problem ist, dass mein Computer fast abhebt, wenn ich diese Webseite aufrufe. Das heisst er wird richtig warm. Es wird also sicherlich nicht besonders wenig Energie verbraucht. Das muss vielleicht auch nicht sein. So eine tolle Webseite, die verbraucht eben ein bisschen mehr. Man sollte das aber inzwischen in seine Überlegungen miteinbeziehen. Man muss sich überlegen, ob einem das egal ist oder nicht. Bei manchen Dingen braucht es eben auch sehr viel Energie, bei anderen nicht.

Hier kommt zum Beispiel auch die Diskussion auf, ob man einen Dark Mode braucht. Ihr kennt den Dark Mode alle. Man kann diesen einstellen auf dem Handy oder am Computer, aber die App oder die Webseite muss dafür bereit sein. Und jetzt gibt es da oft die Diskussion, ob wir das eigentlich brauchen. Das ist natürlich bis zu einem gewissen Grad eine Geschmackssache. Ich sehe das gerade bei meinen Studierenden. Sie haben den Dark Mode auf ihren Telefon sehr oft aktiviert, auch tagsüber. Es ist natürlich auch eine Sache, dass es viel weniger Strom verbraucht, wenn man den Dark Mode einstellt. Ich habe die Folien heute, zwar nicht mit Absicht, auch im Dark Mode gehalten, dass es nicht so viel Strom verbraucht. Das kann man auf jeden Fall miteinbeziehen in seine Entscheidung. Ich muss mir also erst mal überlegen: Ist es was, was ich gerne möchte, Nachhaltigkeit?

Wenn man das gerne möchte, gibt es inzwischen einen Haufen Tools, wo man rauskriegen kann, welchen Impact die eigene Webseite hat. Man kann da einfach seine URL eingeben und dann gibt es einem Tipps und zeigt, wie man im Vergleich mit vielen anderen Webseiten ist. Da gibt es verschiedene. Ich habe hier mal zwei aufgezeigt.

Der zweite Trend. Ich habe ihn mal genannt: «Sei wie du bist». Es geht alles in Richtung Individualität. Also jeder darf so sein, wie er ist. Dazu gehört Diversity Inclusion. Woanders heisst es «Come as you are». Personalisierung fällt da mit rein oder auch Werte wie Freundlichkeit (Kindness), Community, neuer Sense of Agency (dass man auch was machen kann). Also dieses ganze: Ich darf so sein wie ich bin und ich kann damit auch was erreichen.

Signale gibt es da auch haufenweise. Zum Beispiel die erfolgreiche Netflix-Serie Queer Eye mit vier Personen, die eindeutig nicht dem Massendurchschnitt entsprechen. Ein anderes Beispiel auch bei Heidi Klum’s Germany’s Next Topmodel: man muss neuerdings nicht mehr schlank, schön und jung sein, sondern nur noch zwei von dreien. Jedenfalls wird das auch ein bisschen diverser.

Was auf jeden Fall klar ist: Schubladen sind irgendwie out. Die Menschen möchten sich da nicht mehr reinstecken lassen. Die Menschen sind eben komplex. Es geht auch gar nicht. Und das ist eben auch aus Marketing Sicht nicht mehr so sinnvoll. Da kann man schon mal im User Interview solche Sätze hören wie: «Ja ja, ich ernähre mich vegan. Aber sonntags esse ich immer Rührei mit Schinken.» Und das ist eben so. Die Menschen sind komplex und die kann man nicht in eine einzige Schublade stecken. Das beginnt dann für uns im User Interface Design zum Beispiel schon mit der Frage: Wie mache ich bei einem Formular die Anrede? Und gerade Formulare sind ja oft gern stiefmütterlich behandelt. Heute muss man sich das überlegen: Möchte man da bloss noch Herr und Frau haben? Möchte man überhaupt eine Anrede haben? Möchte man Herr, Frau und Neutral oder Herr, Frau und Andere. Wir wissen nicht was die neuen Standards sind. Im Moment gibt es keinen absoluten Standard, sondern man muss wirklich überlegen, wofür das eigene Unternehmen stehen möchte.

Es gibt ja oft den Fall, dass man sich irgendwo einordnet und das soll die User Experience dann einfacher machen. Aber wenn man sich entscheiden muss: «Sind Sie Familienvater oder Firmenchef?» – «Ja, beides». Das ist manchmal nicht so einfach. Schon alleine die Frage «Reisen Sie privat oder geschäftlich?» ist nicht nicht immer einfach zu beantworten.

Eigentlich wollen wir immer noch antizipieren, was die Person möchte. Also egal, ob das jetzt fürs Marketing ist oder um die User Experience einfach so zu optimieren. Was da unser Problem ist: Wir müssen ja was wissen über die Person, wenn wir das herausfinden müssen.

Und das ist immer so ein Clash zwischen Convenience, Privacy und Accountability. Convenience heisst: Es soll zwar jeder so sein wie er ist, aber ich will auch kriegen, was ich genau brauche, was auf meine Bedürfnisse zugeschnitten ist. Andererseits finde ich aber: «Ja, ich will sein, wie ich bin, aber ich finde, das geht gar keinen was an, wie ich bin. Und ich finde, was ich mache, geht schon sowieso keinen was an!» Schwierig. Und dann gibt es auch noch so was wie Accountability. Das heisst, wenn man Reviews verfasst oder wenn man über andere etwas sagt, dann muss man auch Verantwortung übernehmen für sein Tun. Das wird jedenfalls an vielen Stellen gefordert und ist an vielen Stellen sehr sinnvoll. Es widerspricht sich natürlich auch wieder mit der Privacy. Aber andererseits wissen wir jetzt schon ganz schön viel über die User, was ja auch benutzt wird im Advertising. Facebook weiss zum Beispiel eine Menge über die Leute.

Wenn man sich das aber genauer anguckt, Algorithm Watch macht das ab und zu, dann kommt doch raus, dass es erstaunlich stereotyp und einfach ist. Was aber auch ein bisschen an der Sache liegt. Wenn ich eine Anzeige rausspielen will und möglichst viele Leute damit treffen will, die das potenziell interessiert, dann komme ich nicht umhin, Stereotypen zu bilden. Zum Beispiel haben sie rausgefunden, dass wenn sie jetzt eine Jobanzeige schalten für LKW-Fahrer wird das fast nur Männern gezeigt. Wenn sie eine Jobanzeige schalten für Erzieher (Erzieher mit der männlichen Form wohlgemerkt), wird das fast nur Frauen gezeigt. Männer, die vielleicht auch gerne Erzieher werden würden, sehen das nicht unbedingt. Und das ist ein grosses Problem, wenn wir sagen, Schubladen sind out. Aber dieser Optimization Effekt im Personal Advertising schafft eben genau diese Schubladen.

Was können wir jetzt machen? Eine tolle Sache ist ja zum Beispiel Social Commerce. Das heisst, das ist, wie die Leute heute auch oft einkaufen, dass sie sich gar nicht darauf verlassen, was die Marken ihnen kommunizieren, sondern dass sie sich darauf verlassen, was ihre Peers sagen oder was ihre Vorbilder sagen. Und ich sage jetzt nur mal: Für mich endet das nicht bei Facebook oder auf diesen klassischen Social Media Plattformen. Ein Beispiel, ich habe angefangen zu zeichnen während Corona und weiss alles darüber aus dem Internet logischerweise. Und da ist es schon sehr wichtig, was man auch für Materialien hat. Dann guckt man halt und dann findet man viele Anleitungen und tolle Leute, die einem was erklären. Und die sagen auch immer gleich, wo man die Materialien kaufen kann mit denen sie da gezeichnet haben. Wenn es dann noch weitergeht, gibt es sogar vielleicht extra Sets von dieser Künstlerin oder diesem Künstler mit einer Firma zusammen, was natürlich dann sehr viel Glaubwürdigkeit hergibt, wenn das irgendwie eine Person ist, die man super findet.

Und das ist beim Aquarell Malen und bei anderen Hobbys nicht anders, dass man sich sehr darauf verlässt, was die Leute sagen, was man kaufen soll. Das heisst, man muss eigentlich die User Journey kennen.

Wir müssen also wissen: Wo lernen meine Kundinnen und Kunden überhaupt die Produkte kennen? Und was überzeugt sie eigentlich davon, diese zu kaufen? Was wir zusätzlich noch brauchen, sind neue Metriken. Metriken sind ja oft: Wie viele Leute, wie lange und wie oft waren die auf der Webseite oder haben die meinen Service benutzt? Da weiss man jetzt schon lange, dass es negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden hat. Und trotzdem macht man es. Halbherzig gibt es jetzt irgendwie von manchen grossen Plattformen Programme, um das ein bisschen abzufedern. Aber da kann man sich wirklich grundsätzlich fragen: Sind das denn die richtigen Metriken? Man weiss ja zum Beispiel auch, dass sie sehr anfällig für Betrug sind, also dass Bots ein Grossteil des Website Traffics ausmachen. Die Frage ist sowieso ab 2023, wenn Google Chrome keine 3rd Party Cookies mehr zulässt: Was messen wir dann eigentlich noch? Wie zeigen wir auch unseren Auftraggeberinnen, dass diese Metriken gut sind, die wir jetzt gefunden haben? Da passiert im Moment sehr viel. Und da werden sich Sachen ganz grundlegend verändern, dass man ganz anders messen wird.

Ein Beispiel, dass sowas auch erfolgreich sein kann, ist das Spiel Wordle. Das war jetzt sehr erfolgreich die letzten Monate und da kann man nur einmal am Tag spielen. Es ist so wie früher Mastermind, bloss mit Buchstaben. Man muss also ein Wort rausfinden, man darf es aber nur einmal am Tag machen. Und auf der ganzen Welt ist dann das gleiche Wort. Man kann auch nicht ein anderes Gerät nehmen und nochmal spielen, sondern es gibt nur ein Wort pro Tag. Diese Beschränkung ist ein grosser Teil des Erfolgsrezepts, dass diese App versucht abhängig zu machen.

Das Ende der Passwörter. Ich finde es super, dass ich nicht mehr überall mein Passwort eingeben muss. Teilweise ist es mein Gesicht in meinem Handy, teilweise ist es ein Magic Link oder andere Sachen. Das mögen sicher viele User.

Apple hat es auch verstanden und geht so weit, dass sie sagen: wenn du dich irgendwo neu anmeldest oder sogar E-Mails schreibst, dann können wir deine echte E-Mail Adresse verbergen. Apple hilft mir dabei, dies zu verbergen und richtet mir eine temporäre E Mail ein, über die das dann geht. Also auch da hat Apple total den Need erkannt.

Es geht natürlich immer noch weiter, dass Maschinen uns ganze Entscheidungen abnehmen. Das wäre jetzt ein ganz anderer Vortrag. Darüber rede ich total gerne, über User Experience von künstlicher Intelligenz. Aber das geht jetzt viel zu weit.

Wichtig ist, dass wir wissen, welche Werte unsere User haben. Diese verändern sich zwar immer. Ein gutes Beispiel, wo das auch zu einem Geschäftsmodell geworden ist, ist die Firma witty.works. Die hat angefangen IT-Firmen zu helfen mehr Frauen in der IT einzustellen, weil sie gesehen haben: schon die Anzeigen funktionieren gar nicht für Frauen. Die Jobanzeigen, die sind so auf männliche Sprache, auf Männer zugeschnitten und Frauen reagieren einfach anders. Sie [witty.works] helfen einem inclusive zu schreiben, damit es auch Frauen und andere Minderheiten anspricht.

Ein anderer Wert, der gerade eine Renaissance erlebt, ist Kindness. Dies sieht man zum Beispiel daran, dass YouTube keine Dislike Buttons mehr anzeigt. Man kann zwar noch disliken. «Mag ich nicht» steht immer noch da, aber die Anzahl Dislikes wird nicht mehr angezeigt.

Bei Spotify zum Beispiel darf ich einen Podcast erst bewerten, wenn ich ihn wirklich gehört habe. Wenn ich einen Podcast bewerten will ohne diesen gehört zu haben, geht das gar nicht.

Jetzt kommen wir zum dritten Trend. Wie gesagt, sie sind relativ wahllos herausgegriffen, die Trends. Aber sie sollen zeigen, was es bedeutet bezüglich User Experience.

Virtual und Augmented Reality. Das ist nicht nur was für Gamer. Ihr merkt schon, ich spiele hier gerade mit dem Licht rum und so. Eigentlich geht es viel besser, dass eigentlich die Kamera und die Rechenpower dahinter das schon selber machen könnten.

Ihr kennt das vielleicht von Zoom. So sehe ich also aus, wenn ich ungeschminkt ins Zoom und ohne Filter reingucke. Aber ich kann Zoom sagen: «Ach, mach mir doch mal Lippenstift und Augenbrauen dran und mach mir die Falten weg.» Das geht super einfach mit drei Klicks und funktioniert inzwischen schon in total vielen Programmen.

Wer sich das zunutze macht und da vorne mitspielt, ist L’Oreal. Man kann also zum Beispiel ihre neue MakeUp-linie schon mal digital ausprobieren, um sie dann online zu bestellen. Und sie [L’Oreal] haben sogar ein Produkt, das heisst Virtual MakeUp, was man benutzen kann mit Video Call Programmen zusammen, um sich da ins rechte Licht zu setzen.

Vorher waren wir in der Augmented Reality, jetzt sind wir bei der Virtual Reality. Und das wird ein Riesenmarkt werden. Man sieht das zum Beispiel daran, dass das erfolgreiche Game Fortnite mit allen möglichen Brands Kooperationen hat, zum Beispiel mit Balenciaga, wo man sich für seinen Avatar einen Hoodie kaufen kann. Im echten Leben kann man sich den gleichen Hoodie für sich selbst kaufen. Und jetzt sind wir schon dabei, wenn es jetzt mehrere solche Plattformen gibt. Jetzt habe ich da also Eigentum drauf und möchte das irgendwie schon auch mitnehmen. Ich möchte vielleicht das Balenciaga T Shirt auf einer anderen Plattform tragen und so.

Solche Fragen werden sich stellen. Wie geht man damit um? Wie wird das auch unser Schönheitsideal verändern, wenn man sich überall nur noch mit Filter zeigt? Traut man sich noch unoptimiert aus dem Haus? Wird die digitale Mode vielleicht sogar dazu führen, dass wir weniger Kleidung kaufen? Das kann ja auch passieren.

Auf jeden Fall, was passiert jetzt? Zum Beispiel ein MakeUp Artist, der kann plötzlich auch mal remote arbeiten. Ging ja vorher gar nicht. Aber jetzt, wenn es ein Star MakeUp Artist ist und ich lass mir von dem mein Virtual MakeUp machen, dann muss der gar nicht vor Ort sein. Oder vielleicht habe ich im Geschäft smarte Spiegel, die mich so ein ganz kleines bisschen schöner machen, was mich dann vielleicht eher zum Kauf verleitet. Da gibt es ganz viele Sachen, wo das eine Rolle spielen könnte.

Sind wir jetzt also soweit und brauchen jetzt das Metaverse? Werden wir da jetzt alle reingehen? Die Signale häufen sich. Ich war ehrlich gesagt sehr skeptisch, weil ich genau wie in dem Vortrag vorhin erst dachte «Second Life» hatten wir ja auch schon. Ich soll dann am Konferenztisch sitzen oder ich soll Spass haben bei dem? Das konnte ich mir noch nicht so richtig vorstellen. Aber die Signale, dass das wirklich kommt, sind einerseits eben diese Smart Glasses, wo Ray-Ban jetzt vorne mit dabei ist, mit Ray-Ban Stories. Allerdings sind die noch nicht besonders smart. Die haben noch keine Augmentation. Man kann zwar Videos aufnehmen, aber es wird einem nichts eingespielt in die Brille. Aber es gibt ganz viele Player, die gerade daran forschen und solche smart Glasses werden immer besser und immer tragbarer werden. Auch bei den Virtual Reality Glasses, wir haben es vorhin gehört, wird jetzt zum Beispiel versucht wegzuoptimieren, dass einem schwindlig wird. Da sind sie ganz doll dran.

Wenn wir das jetzt haben, diese Smart Glasses, dann werden sich ja auch die Interaktion ändern. Wir haben es hier gerade gesehen auf dem Bild. Also wenn man so macht, dann sagt man heute: «Piepst bei dir?». Und das wird eine ganz einfache Interaktion sein, wahrscheinlich, dass man sich da [an die Schläfe] ran tippt und dann heisst es nicht mehr «Piepst bei dir?» da werden sich auch soziale Normen verändern, wenn wir das alles haben.

Zum Beispiel auch wie man sucht, wird sich verändern. Jetzt tippen wir ja meistens irgendwelche Wörter ein, aber man wird viel mehr auch mit Bildern suchen und sagen: «Ach guck mal, diese Pflanze da hinten hätte ich auch gerne zu Hause oder wie heisst die überhaupt?» auch mit Voice natürlich, dass man per Voice eingibt, was man sucht. Da verändert sich also auch einiges. Die Technologie ist schon da, wir müssen sie nur noch sinnvoll einsetzen.

Jetzt können wir uns also fragen: Werden Smart Glasses unsere Handys ersetzen? Und ehrlich gesagt, wir werden nicht fragen ob, sondern wann werden Smart Glasses unsere Handys ersetzen? Da kommen spannende Entwicklung auf uns zu.

Ein anderer Punkt, wo man sagt, warum ist die Zeit jetzt reif fürs Metaverse, ist natürlich die ganze Frage zum digitalen Eigentum. Ich kann jetzt Grund und Boden kaufen im Metaverse. Dann möchte ich aber auch wissen, in welcher Nachbarschaft ich da bin. Ich weiss nicht, wer dieses Bild von euch kennt. Aber das ist «Desaster Girl». Es ist ein bekanntes Meme, was schon seit vielen Jahren im Internet kursiert. Immer mit anderen Texten. Da kann man sich ja sehr tolle Texte ausdenken zu dieser Szene dort. Und jetzt dank NFT (Non-Fungible Tokens) ist es also möglich, dass man solche Sachen als sein Eigentum schützt und dann auch verkauft? Dieses Mädchen hier ist inzwischen 21. Sie hat also die Rechte an diesem Bild dank NFTs für 500’000 Dollars verkauft. Man muss natürlich jemanden finden, der es kauft. Aber bei diesem Meme ging das eben.

Eine andere Sache, wo man angeben kann mit seinen NFTs, die man schon gekauft hat, ist bei Twitter. Da kann man jetzt sagen, mein Profilbild ist ein NFT und Twitter macht das dann so sechseckig, damit man auch sieht: ein echtes NFT. Das kann man natürlich auch austricksen, haben schon welche gemacht, aber jedenfalls auch da ist einiges in Bewegung.

Und dann ist eine andere Frage: Welche Gesetze gelten denn eigentlich in diesem Metaverse? Wer hat denn da das Sagen? Hier ist ein Beispiel, da sieht man links ein Avatar aus Fortnite. Und der hat ein Dance Move geklaut vom Rapper 2 Milly. Der [Dance Move] ist mega erfolgreich und man diesen für seinen Avatar kaufen. Die machen also richtig Geld damit. Dann haben 2 Milly und andere Rapperkollegen gefunden: «Das ist meins, mein geistiges Eigentum. Du musst mir dann was von dem Geld abgeben.» Das wurde dann fallengelassen, weil er [2 Milly] das nicht hatte patentieren lassen, diesen Dance Move. Aber das sind ganz spannende Fragen, die wir beantworten müssen. Wie ist das dann in diesem Metaverse? Was gilt dann? Was gilt da nicht? NFTs werden wahrscheinlich helfen.

Die Frage ist auch: Wie verhalten sich denn die Menschen da überhaupt in diesem Metaverse? Wie interagieren sie miteinander? Wie kaufen sie ein? Wie werden da Inhalte erstellt? Und schon alleine News. Was sind denn News im Metaverse? Was ist fake und was ist Fantasy? Fantasy ist ja vielleicht okay, wenn man es genau sieht, aber schon diese Unterscheidung. Also da gibt es ganz viele Sachen.

Alleine was wir berichten aus dem Metaverse, von welchen Avataren. Da gab es schon eine lustige Veranstaltung letztes Jahr während Covid. Oslo ist bereits in Minecraft nachgebaut und da haben sie die Children’s Parade in Oslo letztes Jahr in Minecraft gemacht und es sind tausende Leute gekommen.

Was ist jetzt eigentlich die Rolle deiner Firma? Wie trägst du jetzt dazu bei, zu diesem Metaverse? Dass das fair und sicher und gerecht und inklusiv ist. Alle diese Werte, die du vielleicht hast mit deiner Firma. Da passiert jetzt viel und wir können da alle mitmachen, insbesondere auch vertrauenswürdige Informationen für die User bereitzustellen und uns über zu überlegen: wie machen wir es, dass die User uns das glauben?

Allgemein ist es so, wir waren jetzt beim Metaverse, aber das gilt eigentlich für jeden Trend oder auch für jeden UX Trend, dass man sich für seine eigene Firma ganz konkret überlegen muss: Welche neuen Angebote kann ich jetzt meinen Usern machen? Ich kann euch nicht sagen, ob ihr jetzt sofort ein Laden im Metaverse aufmachen sollt und ob ihr das überhaupt jemals machen sollt. Aber es lohnt sich auf jeden Fall, darüber nachzudenken. Was würde das bedeuten? Was würde bedeuten, wenn alle meine Kunden im Metaverse sind? Da kann man anfangen.

Es gibt so klassische Zukunftsforscher Methoden. Ich stelle euch nur kurz eine vor, die ihr gerade sofort anwenden könnt. Das ist das sogenannte Implications Wheel. Ich überlege mir einen Trend, wo es hingeht. Nehmen wir an, selbstfahrende Autos gibt es in der Zukunft. Das heisst wahrscheinlich, es gibt weniger Unfälle. Weniger Unfälle heisst, es gibt weniger Todesfälle. Ich kann mir zu diesem Trend alle möglichen Sachen ausdenken. Was würde passieren, wenn… ? Dann darauf kommen: Was würde für meine Firma passieren, wenn… ? Und dann vielleicht vorbereitet sein. Das ist sozusagen vorwärts blicken.

Die andere Möglichkeit, vorbereitet zu sein, ist rückwärts zu blicken. Also dass man sagt, das ist heute. Als Zukunftsforscher überlegt man was möglich ist und redet nicht von einer Zukunft, sondern von vielen. Es geht ja in verschiedene Richtungen, was möglich ist, dann gibt es da eine Teilmenge daraus, was wahrscheinlich ist. Dann gibt es da wieder eine Teilmenge, die hoffentlich überlappt mit den wahrscheinlichen Zukünften, die wünschenswerten Zukünfte. Das ist natürlich wieder individuell. Welche Werte habe ich und was ist meine persönliche wünschenswerte Zukunft oder die für meine Firma? Und dann machen wir Speculative Design. Dabei versuchen wir, diese Zukünfte lebendig werden zu lassen, zum Beispiel durch Szenarien, wo wir beschreiben, wie ist es da? Und dann wirklich konkrete Produkte zu bauen oder zu überlegen, wie sieht ein konkretes Produkt aus? Es ist aber für Wissen auch eine tolle Methode, um dann rückwärts zu gucken und zu sagen: Was müsste jetzt passieren, damit ich in dieser Zukunft lande oder damit ich eben da nicht lande?

Wen das interessiert: wir haben da auch eine MeetUp Gruppe gegründet: Speculative Futures Zurich. Wir sind Mitglied der weltweiten Future Design Initiative. Da kann jeder mitmachen. Es ist überhaupt nicht so, dass man Vorwissen braucht. Wir würden uns freuen, wenn ihr auch mitmacht.

Vielleicht für euch zum Mitnehmen. Trends widersprechen sich oft gegenseitig. Ich muss meine Werte kennen, um zu wissen welche Trends für mich wichtig sind. Will ich irgendwie viel Bling Bling? Oder möchte ich gerne, dass es energiesparend ist? Oder auch das Bling Bling ist teilweise, dass es sich mit Accessibility widerspricht. Und so muss ich mir da was überlegen: Was ist für mich wichtig und was trägt zur Authentizität meiner Marke bei?

Die Zukunft können wir nicht vorhersagen, aber wir können uns vorbereiten. Und was ich eben total lohnt in der Vorbereitung auf die Zukunft, ist als Denkweise dieses User Centered Mindset zu kombinieren mit dem Futures Mindset. Das lohnt sich auf jeden Fall.

Die Welt verändert sich aber nicht von alleine und wir alle gestalten sie mit. Ich freue mich darauf, mit euch zusammen die Zukunft zu gestalten.

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