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title: 'Nicht fragen! Testen!'
date: '2002-06-01T00:00:00+02:00'
updated: '2024-12-19T10:06:34+01:00'
author: 'Peter Hogenkamp'
canonical: 'https://zeix.com/magazin/nicht-fragen-testen'
section: 'magazineEntry'
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- ![fallback image](/assets/images/fallbackImage05.webp)Von
    
    [Peter Hogenkamp](https://zeix.com/team)

01. Juni 2002 

Usability-Tests liefern wertvolle Erkenntnisse – aber nur, wenn sie richtig durchgeführt werden. Warum Beobachten wichtiger ist als Fragen und welche Fehler Sie vermeiden sollten.


# Ein falsches Vorgehen: Ein Praxisbeispiel

Eine bekannte Schweizer Firma lancierte eine Extranet-Applikation. Auf den ersten Blick sah die Software gut aus – auch in Sachen Benutzungsfreundlichkeit.

«Natürlich haben wir die Usability getestet», hiess es.

Die Nutzer:innen durften die Software «ausprobieren» und fuhren anschliessend zu einer Gruppendiskussion. Dieses Vorgehen klingt plausibel, ist aber aus vier Gründen falsch:


# 1. Fehler: «Ausprobieren lassen»

Wer Nutzer:innen nur rumklicken lässt, bekommt keine brauchbaren Ergebnisse. Ein echter Usability-Test besteht aus konkreten Aufgaben:

- Produktsuche → Produkt auswählen → In den Warenkorb → Registrierung → Checkout → Bestellmenge ändern


# 2. Fehler: «Nach Luzern fahren»

Ein Test, bei dem die Nutzer:innen später reisen und diskutieren, testet vor allem ihr Erinnerungsvermögen. Viele Nutzer:innen können sich schon nach fünf Minuten kaum mehr erinnern, was sie erlebt haben. Eine Diskussion Tage später ist noch weniger aussagekräftig.


# 3. Fehler: «Sagen, wie es ihm gefallen hat»

Testpersonen fühlen sich in einer Prüfungssituation und sagen oft lieber Nettes. Fehler suchen sie eher bei sich als bei der Website.

**Beispiel:**

- Nutzer:innen lösen weniger als 20% der Aufgaben.
- Auf die Frage: „Wie sind Sie klargekommen?“ antworten sie: „Keine Probleme, die Seite ist gut.“


# 4. Fehler: «Gruppendiskussion»

Wenn schon im Einzelinterview kaum nützliche Aussagen entstehen, wird es in der Gruppendiskussion noch schwieriger. Teilnehmer:innen beeinflussen sich gegenseitig.


# Beobachtung statt Befragung

Nuzter:innen zu fragen, ist nicht grundsätzlich falsch. Aber:

- Aussagen müssen im Kontext des beobachteten Verhaltens interpretiert werden.
- Es gilt: «Actions speak louder than words.»


# Was sagt die Marktforschung?

In der Marktforschung weiss man längst, dass die besten Ergebnisse nicht aus den Antworten der Befragten kommen, sondern aus deren Deutung. Bei Usability-Tests wird dieser Ansatz oft ignoriert.


# Regeln für aussagekräftige Usability-Tests

1. **Lassen Sie konkrete Aufgaben lösen.**  
    Rumklicken ist kein Test. Stellen Sie klare Aufgaben.
2. **Beobachten statt befragen.**  
    Vertrauen Sie der Beobachtung, nicht der Aussage.
3. **Vermeiden Sie Spekulationen.**  
    Fragen wie «Hätten Sie geklickt, wenn ...?» führen zu Mutmassungen.
4. **Usability ist ein «Vor-Ort-Geschäft».**  
    Remote-Tests oder Fragebögen sind oft unzuverlässig.
5. **Schauen Sie selbst zu.**  
    Live-Beobachtung zeigt Ihnen, was wirklich passiert.
6. **Wählen Sie den richtigen Dienstleister.**  
    Prüfen Sie die Methoden und deren Eignung für Ihre Fragestellung.


# Fazit

Ein aussagekräftiger Usability-Test basiert auf konkreten Aufgaben, der genauen Beobachtung und der richtigen Interpretation des Verhaltens.

Originalartikel aus der Netzwoche 29/2002 


# Und wie erhält mein Projekt eine gute User Experience? Mit Zeix. 

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