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Macht die Technik Jugendliche asozial? Unterwegs mit Teenagern von heute

(Via Beat Döbeli.)

Die Sonntagszeitung hat einen Tag lang eine 14-Jährige bei der Mediennutzung beobachtet und schreibt darüber. Sprich: bei der Nutzung von Handy und PC, denn ein Fernseher steht zwar im Zimmer, wird aber an diesem Tag nicht genutzt; generell aber vermutlich schon.

Der Jugend-SMS-Code ist ja aus der Presse schon weitgehend bekannt, auch wenn ich ihn nicht aktiv emulieren könnte. Interessant dagegen fand ich: Wenn das Handy klingelt, zieht der Lehrer es für eine Woche ein. Deswegen können die Kids auch blind smsen, weil sie unter dem Tisch machen.

Sprachwissenschaftler Jürgen Spitzmüller von der Uni Zürich findet es toll, dass die Jugendsprache durch SMS und Chat verschriftlicht wird. Ist es vielleicht auch für ihn als Forscher, aber das sollte wohl nicht die einzige Perspektive sein. Er hat keine Angst, dass unsere Sprache vor die Hunde geht: Tatsache sei, „dass die Jugendlichen so viel schrieben wie nie zuvor in Chats, MSN, SMS oder Weblogs.“ Ja ja, ich habe auch keine Angst, dass die Jugendlichen von heute demnächst überhaupt keine Sprache mehr haben, um sich einander mitzuteilen. Aber die Frage ist, was herauskommt, wenn sie mal nicht nur „sbz hdl hmmmm vfg“ schreiben sollen, sondern zwei oder drei zusammen hängende Gedanken formulieren. Da bin ich dann nicht sicher, ob es geschadet hätte, mal ein Buch zu lesen. „Warum Jungen nicht mehr lesen und wie wir das ändern können“ habe ich jedenfalls schon auf die mittelfristige Anschaffungsliste gesetzt, sobald mein Sohn lesen kann. 20 Euro und einen Versuch ist es allemal wert.

Eine Fussnote noch, ersetzt das Redaktionssystem der Sonntagszeitung beim Exportieren ins CMS jede Trennung durch einen Leerschlag? „Knapp die Hälfte der 10- bis 18-Jährigen haben einen Computer im Zimmer, aber nur ein Drit tel kann auch ins Internet.“ Manche sind unfreiwillig komisch: „Es ist ein Stereo typ, dass Jugendliche wegen des zunehmenden Medienkonsums einsam sind“ — cooler Typ sicher, so ein Stereo typ, aber auch nicht so cool, dass ich mich jeden Tag daran freuen könnte. Dass es insgesamt eher wenig falsche Leerzeichen sind (habe nicht mit der Printausgabe verglichen, an welchen Stellen sie auftauchen), legt den Verdacht nahe, dass ein armer Praktikant die von Hand rauseditiert, aber dabei nicht alle erwischt. Wie auch immer. Es ist 2005, da könnte man solche Fehler doch mal abstellen, oder? Ach ja, und bitte nicht mit E-Paper, danke!

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