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„Curiosity“ am World IA Day 2021 Zürich

Der World Information Architecture Day fand dieses Jahr unter dem Motto «Curiosity» (Neugierde, Gwunder) statt. Was ist Neugierde? Wie können wir mit Design die Neugierde anderen Menschen wecken? Auf spielerische, theoretische, räumliche, poetische und gesellschaftlich-relevante Weise haben die fünf Speaker Antworten auf diese Fragen gegeben.

Verschiedene Typen von Neugierde

Für Cassini Nazir (USA) ist Neugierde ein seltsames, faszinierendes und zerbrechliches Phänomen. In seiner Präsentation “Designing curiosity – ways of unknowing“ zeigt er auf, wie Neugierde definiert werden kann, wie Neugierde in uns selbst und in anderen geweckt werden kann. Neugierde kann zum Beispiel mit den Fragen “What else? Is there more? (Was sonst noch)?” provoziert werden. Mit diesen Fragen soll nach weiteren Fragen und nicht nur nach einer Antwort auf ein Problem gesucht werden. Denn seiner Meinung nach ist das Schlimmste, was man bei einer schwierigen Frage machen kann, sie zu schnell zu beantworten. Cassini Nazirs Talk wurde als globale Keynote in mehreren lokalen Konferenzen ins Programm aufgenommen und von Freiwilligen in 8 Sprachen mit Untertiteln übersetzt. Das Video sowie ein Curiosity Quiz zur Identifikation des eigenen Neugierdetyps stehen auf seiner Website unknowing.design zur Verfügung.

Die Präsentation von Cassini Nazir beinhaltet spielerische Aspekte, wie bewegte Lego und Spielsteine.
Cassini Nazir: Neugierde wecken mit der Frage
Der Talk von Cassini Nazir wurde mit Untertitel in 8 Sprachen übersetzt.
Andrea Rosenbusch während ihrer Moderation der Q&A Session mit Cassini Nazir

Strategie: Neugierde trainieren

Als lokaler WIAD Switzerland Speaker teilte Raffaele Boiano (IT) in seinem Talk “Curiosity as an epistemic strategy” seine Ansicht, dass Wissen nie stetig ist. Wissen entwickelt sich kontinuierlich und ändert seine Richtung, da neues Wissen hinzu gekommen ist. Neugierde gehört zum Wissen dazu.

Präsentationsfolie von Raffaele Boiano: Definition von Curiosity

"Neugierde funktioniert wie ein Muskel, den man stetig trainieren und füttern muss."

4 Prinzipien aus der Poesie

Clementina Gentile (BEL) sprach in ihrem Talk “On poetry and design”, wie mit Design der Fokus auf die gesellschaftliche Relevanz verlagert werden kann/soll. Sie erläuterte diesen Wechsel anhand vier Prinzipien der Poesie: Hindernis, Offenheit, Polyphonie und Eleganz. Die Anfangsbuchstaben dieser Prinzipien ergeben das Wort HOPE (englisch für Hoffnung). Clementina zeigt beispielshaft auf, wie diese Prinzipien zu Anpassung im Design führen können. 

Präsentationsfolie von Clementina Gentile: Anfangsbuchstaben von Hinderance, Openness, Polyphony und Elegance ergeben HOPE

"Was wir gestalten, definiert die Zukunft. Diese 4 Prinzipien machen mir Hoffnung auf ein besseres Design in der Zukunft."

Historische Daten räumlich entdecken

Als weiterer Speaker des WIAD Switzerland zeigte André Bruggmann (CH) in seinem Talk “How to arouse user curiosity and enable decision-making through spatial information visualization”, wie räumliche Informationsvisualisierungen Neugierde wecken und Entscheidungen unterstützen können. André erklärte anhand einer interaktiven Visualisierung, wie Daten aus dem Historischen Lexikon der Schweiz räumlich und zeitlich strukturiert werden können, um unbekanntes Wissen hinter den Daten zu entdecken. 

Interaktive, räumliche Informationsvisualisierung von historischen Daten: Präsentationsfolie von André Bruggmann

"Karten zeigen dabei bisher unbekannten Inhalt auf."

Netzwerke als Zukunft der IA

Rachel Jaffe (USA) führte mit ihrem Talk “Response and Re-imagination: The Future of the Field of Information Architecture” die WIAD-Teilnehmer in eine kollaborativ aufgebaute Welt von modularen Netzwerken ein. Ihr Vorschlag verlangt von Informationsarchitekten, ihren Blick über Navigation, Produkte und Unternehmen hinaus zu richten und zu erweitern.

Präsentationsfolie von Rachel Jaffe: Zukunft der IA

"Die digitale Welt kann durch neue Arten von Netzwerken ein lebendiger und menschlicher Ort werden."

Lokal + Global = Konferenzformat der Zukunft?

Die Diversität und Vielfalt von Neugierde widerspiegelt sich in den Talks der WIAD21-Switzerland Speaker. Zudem wurde mit der Integration einer globalen Keynote (Cassini Nazir) in lokale Konferenzen der WIAD als globale Konferenz gestärkt. Dadurch erhielt der WIAD eine neue Dimension der weltweiten Zusammengehörigkeit der Community. Andrea Rosenbusch als Co-Präsidentin des WIAD und lokale Organisatorin des WIAD Switzerland hat eine von drei Q&A Sessions mit Cassini Nazir moderiert und massgeblich zu diesem globalen Event beigetragen. Dieses Format zeigt eine mögliche Richtung, in die hybride Konferenzen in Zukunft gehen könnten, auf: Als lokale Organisatorin war ich (nebst der Verantwortung der lokalen Durchführung) während der globalen Keynote und Q&A Session auch Teilnehmerin eines globalen WIAD-Programmpunktes u.a. zusammen mit Indien, Irland und Ägypten.  

Der WIAD21 hat also auf mehreren Ebenen meine, und hoffentlich auch Ihre, Neugierde auf die Zukunft und den WIAD22 geweckt!

Impressionen der Onlinekonferenz

Das Team bei der Vorbereitung zum Talk von Raffaele Boiano
Während der Q&A Session: Clementina Gentile und Alina Cvetkova
Q&A Session: Rachel Jaffe und Stephen Harold
Impression vom Konferenzabschluss

Zudem war die Community fleissig am Twittern, so dass der WIAD es gleich zweimal auf die Trends schaffte.

Die Community hat fleissig getwittert, so dass der WIAD sogar doppelt in den Trends aufgetaucht ist.

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