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Wer währe mit h schreibt, ist… bald in der Mehrheit?

Nur neun Stunden später kommt aber der nächste h-Schock in einem Blog-Post daher, und das von einer Firma, bei der die Leute fürs Denken und Schreiben (!) bezahlt werden:

Man ist ja inzwischen schon ein bisschen abgehärtet in Sachen Rechtschreibung. Diese Antwort bekam ich heute morgen von einem Copyshop:

From: xxxxx
To: Peter Hogenkamp
Date: Aug 25, 2006 7:38 AM
Subject: AW: Druck A0

Guten Morgen Herr Hogenkampf
Die Produktionszeit beträgt ein Tag. Am besten währe eine PDF – Datei.
Die kosten währen 130.- Franken für den A0 Druck. Und 10.- Franken PDF – Filehandling (TIFF 15.- Franken)
Im Moment haben wir jedoch noch 20% Rabatt auf Posterprints.

Mit freundlichen Grüssen
xxx xxxxxx

Man zuckt etwas, aber man entspannt sich auch wieder. Die Hauptsache ist doch, er findet die grüne Taste auf dem Kopierer.

Nur neun Stunden später kommt aber der nächste h-Schock in einem Blog-Post daher, und das von einer Firma, bei der die Leute fürs Denken und Schreiben (!) bezahlt werden:

Gebährfreudige US-Amerikaner
25. August 2006 um 16:30
In den USA sind es 2,07 Kinder pro Frau, die dort geboren werden; damit ist die Zukunft der USA gesichert, wenn auch nicht der weissen Amerikaner. Die Schweizer Frauen haben nur Lust auf 1,42 Kinder pro Frau. Nur die Deutschen, die Spanier, die Italiener und die Polen liegen tiefer. Merke: Wenn die Schweizer Jugend für ihre Zukunft schwarz sieht, wird sie auch keine Kinder mehr wollen.

(Ob das ein sehr subtiles Wortspiel ist, das mit den „weissen Amerikanern“ und später: „Wenn die Schweizer Jugend für ihre Zukunft schwarz sieht…“?)

Vielleicht hat der Autor ja gebährfreudig gegoogelt. Immerhin 513 Treffer. „Meinten Sie: gebärfreudig“ wird allerdings vorgeschlagen, das hat dann zum Glück auch 2740 Treffer — aber, oje, das sind ja auch nur 5.3 mal so viel. Oder umgekehrt gesagt: 19% der Leute, die im Web schreiben, und das ist ja nur die Hälfte der Bevölkerung, und tendenziell nicht die weniger gebildete, denken, es heisst „gebähren“.

Bei nähmlich und nämlich ist das Verhältnis deutlich besser: Nur 1.7% schreiben die dämliche Variante — das alte Sprichwort aus der Schule tut wohl noch seinen Dienst.

Dennoch. Habe ich nur das Gefühl, sie seien uns auf den Fehrsen, die Rechtschreibindividualisten? Ich hoffe, wir sind zumindest noch für eine Generation schneller. Solange nicht „Hogenkampf“ oder „gebohren am 11.11.1968“ auf meinem Grabstein steht, soll es mir danach egal sein.

Kommentare

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Tom S. Fox

14.06.2009 - 23:27

Was mich hier erst recht stört ist die Vernachlässigung des Akkusativs: Die Produktionszeit beträgt einEN Tag, müsste es heißen!

Marcel Marchon

25.08.2006 - 20:51

Ja, wie ist denn das jetzt mit den Kindern (rein hypothetisch natuerlich) – wenn man in der Schweiz 1 Kind bekommt und in den USA 2, wie wird das dann gezaehlt – ist man dann an beiden Orten unter dem durchschnitt oder zaehlt das total = 3? 🙂

Philipp Keller

30.08.2006 - 7:32

Und schon wieder ein Treffer mehr für „gebährfreudig“. 🙂

Peter Hogenkamp

30.08.2006 - 10:47

Hehe. Das stimmt natürlich. Aber soll ich mal die 513 Treffer durchsuchen und hier posten, wie viele davon auf der Metaebene über den Schreibfehler sind und wie viele einfach nur falsch? Willst Du auf die Metaebene wetten? 🙂

Roland

24.03.2007 - 22:35

Gmäeß eneir Sutide eneir elgnihcesn Uvinisterät, ist es nchit witihcg in wlecehr Rneflogheie die Bstachuebn in eneim Wrot snid, das ezniige was wcthiig ist, ist daß der estre und der leztte Bstabchue an der ritihcegn Pstoiion snid. Der Rset knan ein ttoaelr Bsinöldn sien, tedztorm knan man ihn onhe Pemoblre lseen. Das ist so, wiel wir nciht jeedn Bstachuebn enzelin leesn, snderon das Wrot als gseatems. Heute sagt sich die Mehrheit vermutlich, es ist doch egal wie ich schreibe, Hauptsache der andere kann es lesen und versteht es ;-))) Roland

Shorty

13.05.2007 - 14:37

„Wehr“ schreibt sich allerdings auch ohne H 😉