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Hat Bücher lesen eine Zukunft?

Was haben A-Tablet, Beambook, M-A-C (sprich emm-äi-zee), das Fliegende Buch und das internationale Brillenbuch gemeinsam? So könnten die Lesegeräte für Bücher der Zukunft heissen, wenn es nach der Fantasie der Mädchen geht, die uns am Zukunftstag besuchten.

14 Mädchen zwischen 5. und 7. Klasse haben gestern am Zukunftstag bei Zeix die kreative Seite der Informatik kennengelernt – und uns gezeigt, wie sie sich das Lesen der Zukunft konkret vorstellen. Die Gruppe bestand hauptsächlich aus «Heavy Users» – 9 der 14 Mädchen lesen täglich (!) in einem Buch ausserhalb der Schule. Einige Dauerleserinnen hören mit ihren Romanen auch unterwegs nicht auf zu lesen oder – psst – lesen gar unter dem Pult in der Schule weiter.

Als erste Übung interviewten sich die Mädchen gegenseitig zu ihren Lesegewohnheiten.

Schöne gedruckte Bücher

Alle Mädchen gaben an, dass sie in Schulbüchern Bilder und Comics schätzen. Das Aussehen und die Gestaltung eines Buches sind wichtig, damit sie es attraktiv finden.

«Könnten Schulbücher nicht eher wie das Bravo aussehen?»

Ob in Zukunft überhaupt noch gelesen wird, stellte nur eine der 3-er Gruppen in Frage.

Einige Mädchen schätzten auch, dass es zu Schulbüchern ergänzende Tests und Lernspiele online gibt, mit denen sie ihr Wissen überprüfen können. Top: Ihre Lehrpersonen schicken sie zur Vertiefung des Lernstoffes auf Online-Lernplattformen wie Antolin.

Kritische Nutzerinnen

Immerhin die Hälfte der Mädchen hat bereits Erfahrung mit einem eReader gemacht oder besitzt sogar ein eigenes Gerät. Den Nutzen der heutigen Geräte sehen die meisten eher kritisch. Dominanter Nachteil ist das Lesen am (flackernden) Bildschirm. Auch die soziale Akzeptanz könnte eine Rolle spielen: So erklärt ein Mädchen: «Ein Buch lesen – selbst am Esstisch – ist bei uns kein Problem».

Killeranwendungsfall für eReader sind die Ferien. Denn da können sie teils gar nicht so viele Bücher mitnehmen, wie sie lesen möchten. Als Vorteile digitaler Bücher werden die verstellbare Schriftgrösse, das automatische Buchzeichen und die grosse Auswahl der Online-Bibliotheken genannt.

Geld spielt (k)eine Rolle

Ist das digitale Lesen am Billigsten? Nein, sagen die Mädchen – da steht das Ausleihen in den Bibliotheken an erster Stelle. Trotz Gratis-Lesen haben einige bereits klare Vorstellungen, warum welche Bücher wie viel kosten und wer daran verdient. «Auf meinem [eReader] Kobo hab ich nur die [kostenlosen] Klassiker» führt ein Mädchen aus.

Wunschgeräte erfinden

Mit Knetmasse liessen die Mädchen ihre Ideen Gestalt annehmen und präsentierten ihren ersten Prototypen.

Ob Brille, Smart Bracelet, Beamer oder totales Eintauchen in die Geschichte – bei 4 der 5 Geräte fällt auf, dass die Hände beim Lesen frei sind. Teils wird bei der Interaktion noch auf physische Knöpfe zurückgegriffen, teils kommen alternative Interaktionen vor: «Das Buch verfolgt meinen Blick und weiss, wann ich am Ende der Seite angekommen bin» oder «Ich kann das gewünschte Buch mit der Stimme auswählen». Clever auch die eingebauten Kopfhörer, die man bei Bedarf herausziehen kann, ohne in der Tasche danach suchen zu müssen.

Funktionen und Abläufe im Girls’ Design

Danach ging es daran, die Bedienung eines einzelnen Buches zu entwerfen. Hier blieben die Mädchen zunächst bei den verbreiteten Darstellungs- und Interaktionsformen wie Titelübersichten, thematischen Bücherregalen und reinen Textseiten im Buch. Die meisten sahen eine Option für Hörbücher vor.

Dagegen baute nur eine Gruppe die Funktion ein, dass Bilder vergrössert werden können. Dies überraschte uns – waren doch fast alle von bebilderten Büchern besonders angetan.

Allerdings ermöglichte es «Das Fliegende Buch» sogar, zwischen Lesen, Hörbuch und dem Modus des totalen Eintauchens in die Geschichte zu wählen.

In einer anderen Gruppe zeigt das Buch die gelebte Zeit in der Geschichte mit an: Finden Handlungen parallel, innerhalb einer Woche oder über längere Zeiträume statt?

Orientierung im eBook zentral für alle

Im abschliessenden Usability-Test eines Online-Lehrbuchs zeigte sich dann noch deutlich: Orientierung im Inhalt (wo bin ich, wie komm ich zur Inhaltsübersicht oder Landkartenansicht, wie lese ich von hier aus weiter) ist für die Mädchen extrem wichtig – genauso wie für die ältere Generation von LeserInnen.

Wir haben uns gefreut, dass die Mädchen den Tag so fantasievoll und konzentriert mitgemacht haben. Auch für uns war dieser Zukunftstag wieder lehrreich und spannend. Danke an alle unsere jungen Informatik-Erfinderinnen!

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